3. Februar: Zweiter Badischer Frauen-Preacher-Slam

An dem Wettbewerb unter dem Motto "Maria, ihm schmeckt's" hatten in der Peterskirche neun Frauen aus dem Bereich der Badischen Landeskirche teilgenommen und mit einer himmlischen Küchentheologie aufgetischt.
Moderiert von der Slam-Liebhaberin und Theologin Christina Brudereck, entschied das Publikum über die Gewinnerin des theologischen Vortragsturniers - und die Siegerin hieß:
Pfarrerin Sigrid Zweygart-Pérez!

Hier ihr Gewinnerslam im Video:
www.youtube.com/watch?v=tAS85Xxwb5s&t=90s
www.youtube.com/watch?v=gPPKzcIOahQ
und ein Kurzbericht in der SWR-Landesschau (Mediathek)
Fassung vom 11. Februar gehalten in der Heiliggeistkirche:
Geschneit hat es heute morgen. Ach, habe ich mir gedacht, was wäre es schön gewesen, wenn wir an Weihnachten solch ein Wetter gehabt hätten! Aber mal ehrlich: Lichtjahre entfernt ist doch schon wieder die Erinnerung an den holden Knaben mit lockigem Haar! An Krippenspiel und Weihnachtsoratorium.
Was ist nicht alles seit dem passiert:
- In Italien ändert der Papst das Vaterunser und bekommt dafür Schelte von Margot Käßmann.
- In der Schweiz hängen Industriebosse einem selbsternannten Genie aus Amerika an den Lippen und versprechen, in Deutschland Arbeitsplätze abzubauen.
- In Frankreich stirbt Paul Bocuse (ihm schmeckt‘s nie mehr...)
- Und in Deutschland brüstet sich eine Christlich-Soziale-Union damit, den Familiennachzug für Flüchtlinge abzuschaffen.
Aber heute ist Fastnachtssonntag, ein fröhlicher Tag! Und die Passionszeit zwar nicht mehr Lichtjahre, aber doch noch einen Rosenmontag und einen Fastnachtsdienstag entfernt. Und auch sie, die Passionszeit, wird vorbei gehen und zur Vergangenheit werden, wenn wir am frühen Ostermorgen hören werden: Ja, was eigentlich?
„Maria“ – das ist das erste Wort, das Jesu Freundin an jenem Morgen aus dem Mund des Auferstandenen hört. Und zu Tode erschrickt!: “O mein Gott!“
„Ja, Maria“ antwortet Jesus, und man sieht ihm an, dass er sich an diese Bezeichnung noch gewöhnen muss. „Aber fürchte dich nicht.“
'Der hat gut reden', denkt Maria bei sich und greift nach Jesus, will ihn festhalten, damit er nicht gleich losmaschiert.
„Rühre mich nicht an, Maria, denn ich bin noch nicht aufgefahren zum Vater.“
'Du kannst hinfahren wo du willst', denkt Maria, 'Hauptsache du gehst jetzt nicht dorthin, wo deine Jungs sicher noch in den Betten liegen'.
Und tatsächlich, Trauer macht bekanntlich müde, und so sieht Maria nur Männer mit Nachthemden und verstrubbelten Köpfen als sie ins Haus tritt und ruft: "Er ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!"
"Hallelujah" – ertönt es von den Schlafmatten. Doch gleich bricht hektisches Durcheinander aus: "Wie, er ist auferstanden?" "Er hat doch gesagt: 'Ich werde nach drei Tagen auferstehen.'? - Und jetzt ist er noch nicht mal 48 Stunden tot!" "Warum hält er sich denn nicht an den Plan?"
"Wie sollen wir das denn jetzt alles schaffen? Einkaufen, Kochen, backen, so ein Abstieg ins Reich des Todes und wieder rauf, der macht doch hungrig, mega-hungrig."
Wieder ist es – wen von uns wundert’s – Maria, die weiß, was jetzt zu tun ist:
"Du und du", bestimmt sie, "macht euch auf den Weg nach Emmaus. Schaut ganz furchtbar traurig drein. Denn dann kann Jesus nicht widerstehen. Lauft langsam, damit er euch einholt. Lasst euch von ihm erklären, warum das alles so passieren musste, stellt Fragen, damit gewinnen wir hier Zeit."
"Und noch in 2000 Jahren werden die Menschen von euch lesen und darin Trost finden, Ermutigung und Hoffnung auf ihren Wegen durch Trauer und Nichtverstehn."
"Und ihr anderen macht mal los, verliert keine Zeit, denn spätestens heute Abend wird er hier sein."
Und so schwirren neun Jünger in die Gassen von Jerusalem, kaufen ein, was ihnen irgendwie bekannt vor kommt:
- saftige Trauben von einem Weinstock,
- ein Töpfchen mit in wildem Honig eingelegten Heuschrecken vom Jordan,
- ein Tütchen Feigen von einem nicht-verfluchten Feigenbaum,
- ein paar Tauben ohne Falsch,
- Käse aus Milch vom verlorenen Schaf,
- prickelnden neuen Wein in neuen Schläuchen,
- einen frischgeschlachteten Hahn (bei seinem Anblick kommen Petrus noch einmal heiße Tränen der Scham...),
- fünf Brote und zwei Fische,
- schließlich ein Bündel Ähren, die sie provozierend ein paar Pharisäern unter die Nase halten, die zufällig vorbei kommen.
Hektisch wird nun unter Marias Regie geschnibbelt und gerührt, gebrutzelt und gebacken. Schnell noch das Geschirr weggespült, ein sauberes Tuch auf den Tisch, eine Lampe angesteckt, da steht er schon unter der Tür.
Und mit einem Mal tritt eine große Ruhe ein. Einen nach der anderen nimmt Jesus in den Arm. Vorbei alle Hektik. Er ist da, das allein ist wichtig. Und mit ihm das Gefühl, nein, die entscheidende Zuversicht:
Alles wird gut. - In dieser Welt und in meinem Leben.
Er hat den Tod überwunden. - Für das ertrunkene Kind im Mittelmeer und für mich.
Er lebt. - Und Leben bahnt sich seinen Weg immer neu durch die Spuren, die der Tod hinterlässt. Unaufhaltsam.
„Hier riecht‘s gut“, ruft er schließlich und setzt sich an den gedeckten Tisch. Alle greifen zu. Die Täubchen tun sich an den Ähren gütlich – natürlich hatte es niemand übers Herz gebracht, sie zu schlachten.
Petrus lächelt und flüstert seiner Nachbarin ins Ohr: "Maria, ihm schmeckts."
Und Jesus nimmt das Brot und brichts, gibt allen am Tisch davon. - Und alle werden satt. - An Leib und Seele, an Geist und ihrem ganzen Menschsein. - Er ist da. - Das reicht. - Amen.
