Gesammelte Predigten - Archiv

Heiliggeistkirche & Providenzkirche

 
Sie möchten eine Predigt aus einer unserer Kirchen noch einmal in Ruhe nachlesen?
> Eine Auswahl finden Sie nachstehend.
 
Sie haben im Gottesdienst eine besondere Predigt gehört, die nicht in der Auswahl zu finden ist?
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 Predigt am Sonntag Quasimodogeniti 2024 (8. April) 

„Arrivederci?“ - Predigt über Eph. 5, 14 ff
 
Pfarrer i.R. Rudolf Atsma (Neckargemünd) - Heiliggeistkirche

 
Liebe Gemeinde!
 
Vermutlich in den Tagen nach Ostern erzählte Martin Luther einmal bei einer seiner ‚Tischreden‘: 
 
„Wenn ich die heilige Woche einer Sache sollt vergleichen, so wollte ich sie vergleichen der Arche des Noah. Gott befiehlt diesem treuen Mann: Von allen lebendigen Tieren zween, das ist ein Paar, lass in deine holzene Wohnung: Zween Löwen, zween Wölf, zween Bären und also fort. Was zu verwundern ist, ist nämlich, dass viele Tiere gegeneinander Feindschaft hatten, und doch haben sie einander nichts getan. Aber, wie lang? – 
 
Solang sie seind in der Arch gewest. Der Löwe siehet den Hirsch: Hirschlein sagt der Löwe, wie schmeckt mir dein Fleisch! Aber jetzt seind wir in der Arch, wann wir wiederum heraus kommen, alsdann Arrividerci. Der Wolf sieht das Schaf. Ach! sagt er, niemand könnte mir zu einem Pelz helfen als du; aber wir seind in der Arch. Der Fuchs sieht die Henne. Ach, liebe Schwester! Wie hätte ich eine gute Hühnersuppe vonnöten; aber wir seind in der Arch, wann wir wieder hinauskommen, so werde ich den Hühnerstall visitieren. – 
 
So gehet es in der heiligen Wochen. Da seind ihr alle in der Arch. - Nach Ostern: Arrivederci!“
 
Gar nicht nur komisch finde ich diese Notiz aus Luthers Tischreden. Jenes „Arrivederci“ kenne ich ja gut genug. Das leuchtend wärmende Gelb des Osterlichtes schnell wieder verloren im ‚grauen Alltag‘. Die Botschaft, dass der Tod überwunden ist, in krassem Gegensatz zu einem grausamen militärisch angeordneten Mord, wie in der vergangenen Woche an den jungen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen der Hilfsorganisation ‚World Central Kitchen‘ im Gazastreifen. 
 
Und dennoch und umso mehr soll die Botschaft von Gottes Liebe über alle tödlichen Grenzen hinaus bleibend die Haltung der Menschen verändern, die Christus glauben. 
 
 
 

 Predigt am 1. Sonntag nach Epiphanias 2023 (11. Juni) 

„... in der Liebe“
 
Pfarrer i.R. Rudolf Atsma (Neckargemünd) - Heiliggeistkirche

1. Johannes 4,17
Ihr Lieben, 
lasst uns einander liebhaben; denn die Liebe ist von Gott, und wer liebt, der ist von Gott geboren und kennt Gott. Wer nicht liebt, der kennt Gott nicht; denn Gott ist die Liebe.
Darin ist erschienen die Liebe Gottes unter uns, dass Gott seinen eingeborenen Sohn gesandt hat in die Welt, damit wir durch ihn leben sollen.
Darin besteht die Liebe: dass Gott seinen Sohn gesandt  hat zur Versöhnung für „alles, was uns von Gott trennt“ [Übers. d. Vf.]. -
Ihr Lieben, hat uns Gott so geliebt, so sollen wir uns auch untereinander lieben.
Niemand hat Gott jemals gesehen. Wenn wir uns untereinander lieben, so bleibt Gott in uns, und seine Liebe ist in uns vollkommen.
Gott ist die Liebe und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus.

 
Liebe Gemeinde,
 
ganz hinten, in Schubladen, Schränken und Kommoden liegen sie manchmal noch. Versteckt, gut verschnürt und wohl verwahrt: - die Liebesbriefe von einst. Glühende, überschwängliche und phantasievolle Briefe. Geschrieben als die Beziehung zweier Menschen ganz am Anfang war. Schreibübungen, um den Gefühlen angemessen Ausdruck zu verleihen. Kostbare Briefe! Zu schade eigentlich, um sie zu verstecken. Im Nachlesen wird alles wieder lebendig. 
Unser heutiger Predigttext, für diesen Sonntag vorgeschlagen, hat mich erinnert an solche Briefe von frisch Verliebten. Wie anders soll ich erklären, dass da in nur fünf Versen 15-mal das Wort „Liebe“ vorkommt in verschiedensten Formulierungen und Zusammensetzungen. - Und ebenso wie Liebesbriefe ja oft zusammengeschnürt in Schubladen, Schränken und Kommoden ganz hinten liegen, finden wir auch diesen Text versteckt, ganz hinten in der Bibel. Verborgen hinter den großen Evangelien und den gewaltigen Paulusbriefen. Wenn ich Jugendliche im Unterricht bat, in der Bibel den 1. Johannesbrief aufzuschlagen, mussten sie in der Regel lange suchen und blättern...
 
Greifen wir also in den Schrank der 66 biblischen Bücher und holen ihn hervor: einen echten Brief am Ende des 1. Jahrhunderts, an Christinnen und Christen geschrieben irgendwo im römischen Reich. Absender: Johannes, ein uns unbekannter Mann, vielleicht auch der Verfasser des gleichnamigen Evangeliums.
 
 
 

 Predigt am Sonntag Lätare 2023 (19. März) 

 
„Das Physikfenster von Johannes Schreiter“
 
Pfarrer Dr. Vincenzo Petracca - Heiliggeistkirche

Jesaja 54, 7-10
Ich habe dich einen kleinen Augenblick verlassen, aber mit großer Barmherzigkeit will ich dich sammeln. Ich habe mein Angesicht im Augenblick des Zorns ein wenig vor dir verborgen, aber mit ewiger Gnade will ich mich deiner erbarmen, spricht der HERR, dein Erlöser. Ich halte es wie zur Zeit Noahs, als ich schwor, dass die Wasser Noahs nicht mehr über die Erde gehen sollten. So habe ich geschworen, dass ich nicht mehr über dich zürnen und dich nicht mehr schelten will. Denn es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der HERR, dein Erbarmer.

 
Es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen,
und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der HERR, dein Erbarmer.

Liebe Schwestern und Brüder,
 
was für ein Wort des Friedens! Aber hier in Heiliggeist löste es bösen Streit und Entzweiung aus! Über Frieden kann man garstig streiten. Wir erleben es dieser Tage wieder…

Der Schluss-Satz des Predigttextes findet sich geschrieben in unserem Kirchenraum. Er ist das Zentrum des „Physikfensters“ von Johannes Schreiter im Südschiff. Dieses Fenster löste seinerzeit einen deutschlandweit beachteten Fensterstreit aus. Der Konflikt war komplex. Er hatte verschiedene Ebenen, die sich miteinander mischten. So wurde gestritten, ob moderne Buntglasfenster in eine gotische Kirche passten. Im zwischenmenschlichen Bereich stand der damalige Heiliggeistpfarrer im Zentrum des Streits. Die politische Aussage des Fensters fanden viele anstößig und meinten, Kirche solle sich politisch zurück halten oder Kirchenfenster sollten meditativ sein.

Freilich, das Physikfenster ist keineswegs simple tagespolitische Parteinahme zum Thema Frieden, sondern eine ästhetische Auseinandersetzung mit der Bibel. Auf hohem künstlerischem Niveau!
 
 

 Predigt an Epiphanis 2023 (6. Januar) 

Schrein der Heiligen Drei Könige, Kölner Dom, um 1200
„Drei Könige“
 
Predigt zu Epiphanias - Pfarrer Dr. Vincenzo Petracca - Heiliggeistkirche

Matthäus 2,1-12 Die Weisen aus dem Morgenland
Da Jesus geboren war zu Bethlehem in Judäa zur Zeit des Königs Herodes, siehe, da kamen Weise aus dem Morgenland nach Jerusalem und sprachen: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, ihn anzubeten. Als das der König Herodes hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem, und er ließ zusammenkommen alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes und erforschte von ihnen, wo der Christus geboren werden sollte.
Und sie sagten ihm: Zu Bethlehem in Judäa; denn so steht geschrieben durch den Propheten: »Und du, Bethlehem im Lande Juda, bist mitnichten die kleinste unter den Fürsten Judas; denn aus dir wird kommen der Fürst, der mein Volk Israel weiden soll.«
Anbetung der Könige (Detailausschnitt Stirnseite des Dreikönigenschreins)
Da rief Herodes die Weisen heimlich zu sich und erkundete genau von ihnen, wann der Stern erschienen wäre, und schickte sie nach Bethlehem und sprach: Zieht hin und forscht fleißig nach dem Kindlein; und wenn ihr’s findet, so sagt mir’s wieder, dass auch ich komme und es anbete.
Als sie nun den König gehört hatten, zogen sie hin. Und siehe, der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, ging vor ihnen her, bis er über dem Ort stand, wo das Kindlein war. Da sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut und gingen in das Haus und sahen das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an und taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe.
Und da ihnen im Traum befohlen wurde, nicht wieder zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem andern Weg wieder in ihr Land.

 
„Drei Könige“. So heißt der heutige staatliche Feiertag. Im Volksmund werden die Namensgeber des Feiertags auch die „Heiligen Drei Könige“ genannt. Mit Namen heißen sie da Kaspar, Melchior und Balthasar. Ihr Schrein soll angeblich im Kölner Dom stehen.
Kirchlich heißt der Feiertag Epiphanias, übersetzt Erscheinung. Die biblische Geschichte zum Feiertag steht ausschließlich beim Evangelisten Matthäus, wir hörten sie gerade. Freilich, er teilt uns nicht die Anzahl mit. Auch ihre Namen erwähnt er nicht. Von Dreien spricht zum ersten Mal der Theologe Origenes im dritten Jahrhundert. Dagegen finden sich in Abbildungen altchristlicher Katakomben manchmal auch die Zwei- oder Vierzahl. Origenes hat die Dreizahl einfach aus den drei biblischen Geschenken abgeleitet: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Doch der Evangelist lässt nicht nur offen, wieviel Personen es waren, sondern berichtet nicht einmal, dass sie Könige oder Heilige seien. 
 

 Predigt an Heiligabend 2022 (24. Dezember) 

Predigt über Lukas 2,14
Christvesper in der Heiliggeistkirche 17:00 Uhr
Dekan Dr. Christof Ellsiepen

„Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden“
 
Gott die Ehre und Friede auf Erden.
Die Engel bringen Weihnachten auf den Punkt.
Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden.
Das ist die Botschaft kurz und knapp. Mehr brauchen wir nicht.

Aber Weihnachten ist eben auch nur der Anfang der Geschichte. Denn mit der Ehre ist es so eine Sache. Wem wir sie geben und wem nicht. - Und was ist das überhaupt. Ehre?
Zuerst dachte ich, das ist kein Stoff für eine Weihnachtspredigt. Ehre klingt altertümlich und rückwärtsgewandt, im Nationalsozialismus wurde das Wort rassistisch aufgeladen und in patriarchalen Gesellschaften dient sie noch heute dazu, Frauen zu unterdrücken. Ehrenmord in der Türkei. Systematischer Ausschluss der Frauen von Bildung in Afghanistan und staatliches Morden im Iran. Alles, um die Ehre zu retten. Und das sind nur drei Beispiele.
Also lieber das Thema Ehre weit umfahren? Die Finger davon lassen?

 Predigt am Vorletzten Sonntag im Kirchenjahr 2022 (13. November) 

Gottesdienst Im Rahmen der Ökumenischen Friedenswoche
mit anschließender Präsentation des Motion Comic (Lernort Kislau e. V.)
"Ein stadtbekannter ‚Judenfreund‘ Hermann hilft Verfolgten bei der Flucht"

Pfarrer Dr. Vincenzo Petraccr
Altstadtgemeinde und Citykirche Heiliggeist
 
"Hermann Maas – Anwalt der Verfolgten"
 

Ps 137,5f.
Vergesse ich dein, Jerusalem, so werde meine Rechte vergessen.
Meine Zunge soll an meinem Gaumen kleben, wenn ich deiner nicht gedenke, wenn ich nicht lasse Jerusalem meine höchste Freude sein.

 
Adonai, sieh auf das Leid Israels! Hab Erbarmen und gib Schalom! Laß uns deines Volkes gedenken! Und uns freundlich mit Jerusalem reden! Amen! Hallelujah!
 
„Ich schämte mich fast zu Tode für jedes Zeichen eines neu erwachenden Antisemitismus in Deutschland.“ 
 
Liebe Gemeinde, Worte, die aus unseren Tagen stammen könnten. Sie sind indes 70 Jahre alt. Hermann Maas schrieb sie der jüdischen Gemeinde im Jahr 1952.
 
Hermann Maas, es gibt in der Heidelberger Synagoge genauso wie in unser Heiliggeistkirche eine Gedenktafel für ihn. In Heidelberg gibt es ein Hermann-Maas-Haus. Auch eine Brücke ist nach ihm benannt, am Haus der Jugend. Freilich eine sehr unansehnliche, verdient hätte m.E. der Heidelberger Ehrenbürger mehr…
 
Er wurde 1877 in Gengenbach, im Schwarzwald, geboren und stammte aus einer alten Pfarrfamilie. Nachdem er sich überlegt hatte, Mathematik zu studieren, entschied er sich doch für Theologie und wurde Pfarrer. Im 1. Weltkrieg kam er an unsere Kirche. 1925 hielt er die Trauerrede bei dem aus der katholischen Kirche ausgetretenen Reichspräsidenten Friedrich Ebert, was ihm seine Kirchenleitung und später die Nationalsozialisten übelnahmen.
 
Hermann Maas Motion Comic bei YouTube ansehen: Link
 
 
 

 Predigt am Reformationstag (31. Oktober) 2021

Ökumenischer Gottesdienst der ACK Heidelberg
(Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen) in der Heiliggeistkirche


"der achte Tag"
Predigt: Erzpriester Radu Constantin Miron, Vorsitzender der ACK Deutschland
Der Reformationsgottesdienst in Heidelberg folgt einer besonderen Tradition: er wird seit vielen Jahren ökumenisch gefeiert. Der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) Heidelberg, die zu diesem Gottesdienst einlädt, ist es ein Anliegen, die Ökumene in ihrer Vielfalt aufzuzeigen. Daher werden Prediger:innen aus allen (derzeit elf) Mitgliedskirchen der ACK angefragt.
In diesem Jahr konnte die ACK Heidelberg Radu Constantin Miron, Erzpriester der griechisch-orthodoxen Kirche, als Prediger gewinnen. Der Vorsitzende der ACK Deutschland spricht zum Thema „der achte Tag“. Er nimmt dabei Bezug auf die „ökumenische Vereinbarung“ der ACK Kirchen Heidelberg, die sie 2017 zur 500-jährigen Wiederkehr der Reformation geschlossen hat.

Predigt über Eph 4,15
Wir wollen uns, von der Liebe geleitet, an die Wahrheit halten und in allem wachsen, bis wir ihn erreicht haben. Er, Christus, ist das Haupt.




 Sommerpredigtreihe "Friedensgeschichten der Bibel"


Predigt am 12. Sonntag nach Trinitatis 2022 (4. September) 

„Die Liebe Christi bewegt, versöhnt und eint die Welt -
Christs’s love moves the world to reconciliation and unity"
Ökumenischer Gottesdienst zur Vollversammlung des Ökumenischen Rats der Kirchen in Karlsruhe 2022
 
Dekan Dr. Christof Ellsiepen - 4. September 2022 - Heiliggeistkirche
 
Predigt über 2. Kor 5,14 und Joh 17, 21: ... damit sie alle eins seien ...

Du bist mein, ich bin dein. Des sollst du gewiss sein.
So beginnt ein berühmtes mittelalterliches Liebesgedicht aus dem 12. Jahrhundert.
Du bist mein – Ich bin dein
Beides geht nur zusammen. Kein Mensch besitzt einen anderen, dass er oder sie sagen könnte: du gehörst mir. Auch nicht und gerade nicht in der Liebe. Wenn es aber gegenseitig wird, liegt alles darin:
Alles Neue, Bewegende, aller Zauber des Anfangs, alle Kraft des Weitergehens, alle Gemeinschaft des Erreichens geschieht in der Gegenseitigkeit.
 
 

Predigt am 7. Sonntag nach Trinitatis 2022 (31. Juli) 

„Denn ich sah dein Angesicht, als sähe ich Gottes Angesicht!“ - Jakob und Esau schließen Frieden (Gen 32f.)
 
Oberkirchenrätin Dr. Cornelia Weber - 31. Juli 2022 - Heiliggeistkirche
 
Predigt über 1 Mose 32-33
... Gott, errette mich vor der Hand meines Bruders, von der Hand Esaus. Denn ich fürchte mich vor ihm, dass er komme und schlage mich, die Mütter samt den Kindern. ... Jakob hob seine Augen auf und sah seinen Bruder Esau kommen mit vierhundert Mann. ... Und er ging vor ihnen her und neigte sich siebenmal zur Erde, bis er zu seinem Bruder kam. Esau aber lief ihm entgegen und herzte ihn und fiel ihm um den Hals und küsste ihn, und sie weinten.

Jakob und Esau, die beiden Zwillingsbrüder, sie verbindet eine ganz besondere, nicht gerade einfache Geschwistergeschichte – eine Geschichte von Neid und Eifersucht, von Bevorzugung und Streit, von tiefer Angst vor- und noch tieferem Hass gegeneinander. Und doch steht gerade über dieser Brüdergeschichte Gottes Segen.
Jakob und Esau – sie sind die Söhne von Isaak und Rebekka. Esau, er ist der Kräftige, Unerschrockene. Er geht gerne auf die Jagd und scheut keine Gefahr. Sein etwas später geborener Bruder Jakob dagegen ist zart, eher ängstlich. Er bleibt gerne in der Nähe seiner Mutter und hütet die Schafe – die Zelte immer in Sichtweite.
Es sind die Kinder der gleichen Eltern, innerhalb kurzer Zeit geboren (Jakob hält sich bei der Geburt an der Ferse von Esau fest – so beschreibt es die Bibel), doch unterschiedlicher könnten die beiden Zwillinge wohl nicht sein. Und auch ihre Eltern reagieren ganz verschieden auf ihre Söhne: Isaak, der Vater, er liebt den mutigen, starken Esau. Doch Rebekka, die Mutter, sieht das zarte, besondere Wesen von Jakob. Sie unterstützt ihn, nimmt ihn in Schutz, sie bevorzugt den Zweitgeborenen ganz offensichtlich. Von Gleichbehandlung keine Spur. - Eine äußerst schwierige Familienkonstellation.

 
 
 
 

 Predigt am 6. Sonntag nach Trinitatis 2022 (24. Juli) 

Festgottesdienst zur Eröffnung der Heidelberger Bachwoche 2022
Dekan Dr. Christof Ellsiepen
Evangelische Kirche Heidelberg Heidelberg
 
"Das offene WIR - verleih' uns Frieden gnädiglich"
 
Predigt über Johannes 20, 19-22 und Kantate 42
"Am Abend aber desselbigen Sabbat"

Am Abend aber dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger versammelt und die Türen verschlossen waren aus Furcht vor den Juden, kam Jesus und trat mitten unter sie und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch! Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und seine Seite. Da wurden die Jünger froh, dass sie den Herrn sahen. Da sprach Jesus abermals zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Und als er das gesagt hatte, blies er sie an und spricht zu ihnen: Nehmt hin den Heiligen Geist.

 
Für die Woche nach Ostern 1725 hat Johann Sebastian Bach die Kantate komponiert, die wir heute in diesem Gottesdienst hören.
Es geht um Frieden, um Furcht und Schutz vor Verfolgung.
 
Als Bibeltext hat Bach eine Stelle aus Joh 20 in die Mitte gestellt. Jesus erscheint den Jüngern, als sie am Abendversammelt sind. Die Übersetzung des Bibeltextes, die Bach zugrunde legte, ist etwas missverständlich. Am Abend desselben Sabbats heißt es da. Das würde ja bedeuten, wir wären noch gar nicht am Ostermorgen angekommen, sondern immer noch am Abend davor. Unmittelbar vor unserer Geschichte wird aber im Johannes-Evangelium erzählt, wie Jesus am frühen Morgen am ersten Tag der Woche Maria Magdalena erscheint. Der erste Tag der Woche ist der Tag nach dem Sabbat. Früh morgens war der Auferstandene Maria Magdalena am Grab erschienen, am Abend desselben Tages erscheint er den anderen Jüngern.
 
 
 

 Predigt am Pfingstsonntag 2022 (5. Juni)

Festgottesdienst zu Pfingsten in der Heiliggeistkirche
 
»Kirche der Freiheit« - Dekan Dr. Christof Ellsiepen
 
Predigt über Rö 8, 1-2

Nichtig ist also das belastende Urteil für die, die in Christus Jesus sind.
Denn das Recht des Geistes, der zum Leben führt,
hat DICH, der du in Christus bist,
befreit vom Recht der Sünde, die zum Tode führt.

Kirche der Freiheit, mit diesem Namen hat sich die Evangelische Kirche in Deutschland vor mittlerweile sechzehn Jahren selbst vorgestellt in einem Impulspapier, in dem es um die Zukunft der evangelischen Kirchen ging.

Auch wenn dieses Impulspapier der Illusion aufgesessen ist, wir könnten als Kirche wachsen gegen den Trend, so bleiben doch Orientierungspunkte, die auch heute noch wichtig erscheinen, wenn wir uns daran machen, zusammen unsere Kirche zu erneuern.
Auch heute noch geht es um geistliche Profilierung, Schwerpunktsetzung, Beweglichkeit in den Formen und Orientierung nach außen, in die Gesellschaft hinein.

Vor allen Dingen aber bleibt der Titel: Kirche der Freiheit. Denn das sind wir unserem Wesen nach: Kirche der Freiheit.
Zugleich ist es ein Ziel, dass wir als Evangelische Kirche Kirche der Freiheit bleiben und immer mehr werden.

Das ist gut reformatorisch. Eine der wichtigsten Reformschriften Martin Luthers heißt: Von der Freiheit eines Christenmenschen.
Und noch mehr: es ist urchristlich.
Kirche ist von Anfang an Kirche der Freiheit gewesen und das hat etwas mit Pfingsten zu tun.
 

 Predigt am Sonntag Jubilate 2022 (8. Mai)

Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde! - Predigt über 1. Mose 1
 
Prädikant Claus-Jürgen Dietz
(Predigt von Pfarrer Dr. Vincenzo Petracca, in Vertretung gehalten)
 
 

Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde!
 
So, liebe Schwestern und Brüder, lautet der erste Satz der Bibel im Wortlaut.
Der Anfang wird als längerer Zeitraum gedacht als 7 Tage.
In diesem Anfangszeitraum erschuf Gott alles.
 
Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde!
Dieser Satz ist die Überschrift über den ganzen Schöpfungsbericht.
Man kann diesen Satz auch als Überschrift über die gesamte Bibel lesen: Anfangs schuf Gott Himmel und Erde! Es wird damit auch ausgesagt: Was danach in der Bibel an Geschichten über menschliches Glück und menschlicher Not erzählt wird, alles ist von Gott umfangen. Es gibt keinen Raum im Himmel und auf der Erde, indem Gott nicht zu finden wäre. Der Schöpfergott hält alles in seiner guten Hand.
 
Sofort, um jegliche Verklärung zu vermeiden, erzählt der Schöpfungsbericht dann vom Chaos:
Die Erde aber war wüst, wirr und finster. Es herrschte Unordnung und Chaos. Das Wort Tohuwabohu steht da im Hebräischen.
 
 

 Predigt am Sonntag Estomihi 2022 (27. Februar) 

„Durchkreuzt“ - Predigt über Mk 8,31-38
 
Pfarrerin Prof. Dr. Sibylle Rolf (Karlsruhe)
 
Und er fing an, sie zu lehren: Der Menschensohn muss viel leiden und verworfen werden von den Ältesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten und getötet werden und nach drei Tagen auferstehen. Und er redete das Wort frei und offen. Und Petrus nahm ihn beiseite und fing an, ihm zu wehren. Er aber wandte sich um, sah seine Jünger an und bedrohte Petrus und sprach: Geh weg von mir, Satan! Denn du meinst nicht, was göttlich, sondern was menschlich ist.
Und er rief zu sich das Volk samt seinen Jüngern und sprach zu ihnen: Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.
Denn wer sein Leben erhalten will, der wird's verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen und um des Evangeliums willen, der wird's erhalten. Denn was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme an seiner Seele Schaden? Denn was kann der Mensch geben, womit er seine Seele auslöse?
Wer sich aber meiner und meiner Worte schämt unter diesem abtrünnigen und sündigen Geschlecht, dessen wird sich auch der Menschensohn schämen, wenn er kommen wird in der Herrlichkeit seines Vaters mit den heiligen Engeln.

 
Liebe Schwestern, liebe Brüder,
 
Nach dem Aufwachen am Donnerstag Morgen war alles anders. Ich bin in einer anderen Welt aufgewacht. Alles muss sich neu ordnen. Wir haben Krieg in der europäischen Nachbarschaft. Wo eben noch alles gut schien, alles klar, empfinde ich jetzt Gefahr.

Ziemlich genau vor zwei Jahren sprach schon einmal jemand vom Krieg. "Nous sommes on guerre", sagte Emmanuel Macron mit Blick auf ein neues Virus. Auch da musste sich alles neu ordnen. Eben war noch alles klar – mit einem Mal ist alles anders.

Das Leben ist zerbrechlich. Sehr stark empfinde ich die Zerbrechlichkeit und bin voller Sorge. Angst sogar. Und dann dieses Evangelium von heute. Kreuz. Leiden. Sterben. Gewalt.
 
Finde ich Trost und Ermutigung? Liegt Trost und Ermutigung in diesem Text auch für Menschen in Kiew? Maria etwa oder Alexander?
 
 
 
 

 Predigt am Letzten Sonntag nach Epiphanias 2022 (30. Januar) 

In einer Gedenkfeier der Universität am 31. Januar in der Peterskirche haben Angehörige, Betroffene und Trauernde Blumen zum Gedenken an die Opfer des Amoklaufs niedergelegt und Kerzen entzündet.
 
„Voll Wärme und Licht im Angesicht, sei nahe in schweren Zeiten“

mit Bezug zum Amoklauf in Heidelberg am 24.1.2022
und zum Holocaust-Gedenken
 
Dekan Dr. Christof Ellsiepen - Heiliggeistkirche
 
Predigt zu 2. Mose 34, 29-35
 

 
לֹא תִרְצָח [Lo tirzach]. Du sollst nicht töten!
 
Wir glauben an den Gott des Lebens. - Gerade deshalb wollen wir in unserem Gottesdienst der Menschen gedenken, die um ihr Leben gebracht wurden.
 
Es ist eine Trauer- und Tränenwoche, diese Woche in Heidelberg.
 
Ein junger Mann lief am Montag in einen Hörsaal mit einem Gewehr und erschießt eine junge Frau und verletzt weitere und erschießt sich dann selbst. Von einem Moment auf den anderen, ist durch Gewalt Menschenleben zu Ende. Ein Schock für alle, die es erlebt haben, eine Erschütterung für uns alle. Mit Blumen und Kerzen sind viele Menschen an den Botanischen Garten im Neuenheimer Feld gekommen, haben sich an den Ort einfach hingestellt, Blumen niedergelegt, eine Kerze entzündet. Oder sind in die Peterskirche gekommen, um in der Stille zu trauern, ein offenes Ohr zu finden bei Gott oder den Seelsorgenden ihre Not anzuvertrauen.
 
Und es ist die Woche des 27. Januar. Vor 77 Jahren, am 27. Januar 1945 wurde das Konzentrationslager Auschwitz befreit und damit dem jahrelangen millionenfachen Morden endlich ein Ende bereitet. Ein Stolperstein in der Zeit. Um der Opfer des Nationalsozialismus zu gedenken. In kleiner Runde haben wir uns still auf dem Bergfriedhof versammelt, Steine und Blumen niedergelegt, eine Kerze entzündet.
 
Wir glauben an den Gott des Lebens. - Deshalb gedenken wir der Menschen, die um ihr Leben gebracht wurden.
 
Wir glauben an das Licht, das durch die Finsternisse bricht.
 
 

 

 Predigt am Reformationstag (31. Oktober) 2021

Ökumenischer Gottesdienst der ACK Heidelberg
(Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen) in der Heiliggeistkirche
 
"Kirche im Wandel"
Predigt: Dekan Dr. Christof Ellsiepen
 

Apostelgeschichte 8,26-40
 
"Kirche im Wandel" - Was können wir für uns heute aus dieser Geschichte lernen?

Sieben Sachen. So viele wie Tage in der Woche sind:
 
Am Montag sich rufen lassen
Jeder Mensch ist gerufen, nicht nur die sogenannten Geistlichen: Hinhören auf den Geist, das Gewissen, die Träume, die innere Stimme, die Visionen, die Worte, Begebenheiten und Bilder – wo ist mein Herz gefragt? Wohin werde ich gerufen? – Die Kraft, die eigentliche Ressource der Kirche liegt innen in uns. Das ist unser Schatz, nicht die Kirchensteuer oder Liegenschaften sind unsere Schätze, sondern die Kraft liegt innen, in uns, in einem jeden einzelnen und in uns als Gemeinschaft: wenn wir uns rufen lassen.
 
 
 

 Predigt am 11. Sonntag nach Trinitatis 2021 (15. August) 

"Kann denn Sünde Liebe sein? - Aus den Memoiren von Adam und Eva"
 
adam und eva wurden aus dem paradies vertrieben...

in der Sommerpredigtreihe "Liebesgeschichten der Bibel"


 
Pfarrerin Katrin Borrmann - 15. August 2021 - Heiliggeistkirche
 
Predigt über 1 Mose 2,4-25
...Du darfst essen von allen Bäumen im Garten, aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen sollst du nicht essen; denn an dem Tage, da du von ihm isst, musst du des Todes sterben. ...Und Gott der HERR sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei; ich will ihm eine Gehilfin machen, die um ihn sei. ...
 
 

Eva.
Die Schuld wurde ja meistens mir zugeschoben. Wie oft war es Thema bei unseren Familienzusammen­künften, deren Rahmen sich fortwährend vergrößerte. Und wenn es nicht ausgesprochen war, stand es doch im Raum:
Du hast damals…
Was wäre gewesen, wenn…
Wenn du dich an das Verbot gehalten hättest, dann…
 
Aber es gab auch die neugierigen Fragen der Kinder:
Wie war es eigentlich früher?
Erzähl mal: wie sah es aus im Garten Eden?
Wie war es in der Zeit als ihr noch jung gewesen seid, Du und Opa?
 
Erst ganz spät kamen die wirklich guten Gespräche. Und meine Einsichten, warum alles so gekommen ist.
Da war ich längst eine alte Frau.

 
 
 

 Predigt am 10. Sonntag nach Trinitatis 2021 (8. August) 

"Liebe in Zeiten der Hungersnot: Rut und Boas"
 
Wo du hingehst, da will ich auch hingehen...

in der Sommerpredigtreihe "Liebesgeschichten der Bibel"



Pfarrer Mirko Diepen - 8. August 2021 - Heiliggeistkirche

Predigt über Rut 3–4
...Gesegnet seist du vom HERRN, meine Tochter! Du hast deine Liebe jetzt noch besser erzeigt als vorher, dass du nicht den jungen Männern nachgegangen bist, weder den reichen noch den armen. Nun, meine Tochter, fürchte dich nicht. Alles, was du sagst, will ich dir tun; denn das ganze Volk in meiner Stadt weiß, dass du eine tugendsame Frau bist....


Liebe Gemeinde!
Herzlich willkommen zum Gottesdienst in unserer Sommerpredigtreihe: Liebe in den Zeiten der Not.

Wir haben die Not wieder kennengelernt in Europa. Die Pandemie hat sie uns gelehrt!Nicht nur die Not der Erkrankten und Gefährdeten, auch die Not der Alleinlebenden, die Not der Eingeschränkten, die Not der Kinder und Jugendlichen, die auf Kontakt zu Gleichaltrigen verzichten mussten.

Wir haben sie aber auch jetzt vor Augen, die Not der Waldbrände und Feuersbrünste, die fast einen Gürtel um die Erde legen: Italien, Griechenland, Türkei, Sibirien, Kanada, und in den USA: Kalifornien, Arizona, Nevada und Utah, die selbstgemachte Not der Klimaerwärmung.

Die Geschichte, die das Buch Rut erzählt, nimmt ihren Anfang mit einer Not, einer Hungersnot:
 

 Predigt am 9. Sonntag nach Trinitatis 2021 (1. August) 

"Am Reichtum erstickt? - Hananias und Saphira"
Die Menge ist ein Herz und eine Seele...

in der Sommerpredigtreihe "Liebesgeschichten der Bibel"


 
Prälat Prof. Dr. Traugott Schächtele - 1. August 2021 - Heiliggeistkirche
 
Predigt über Apostelgeschichte 5, 1–11
...Die Menge der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele; auch nicht einer sagte von seinen Gütern, dass sie sein wären, sondern es war ihnen alles gemeinsam. Es war auch keiner unter ihnen, der Mangel hatte; denn wer von ihnen Land oder Häuser hatte, verkaufte sie und brachte das Geld für das Verkaufte und legte es den Aposteln zu Füßen; und man gab einem jeden, was er nötig hatte...
 

Liebe Gemeinde!
Soll man der Bibel alles glauben? - Wenn’s um die Liebe geht, dann schon, denke ich. Schließlich ist ja Gott ihr Thema. Und wenn Gott die Liebe ist, müsste die Bibel hier ein vorzüglicher Ratgeber sein.
 
Liebesgeschichten in der Bibel! Da ist die Bibel bei ihrem Eigentlichen, müsste man meinen. Und Sie dürfen gespannt sein, wie die Predigerinnen und Prediger in den nächsten Wochen die große Liebe Gottes in die Münzen der verschiedensten biblischen Liebesgeschichten wechseln. Ruth und Boas, Esther und Xerxes, Delilah und Samson, das Hohelied der Liebe – keine Frage, das werden spannende Gottesdienstzeiten in den kommenden Wochen.
 
Wenn’s um die Liebe geht, kennt die Bibel kein Halten mehr – meistens jedenfalls. Von der Jerusalemer Gemeinde der ersten Christinnen und Christen wird berichtet, sie hätten eine große Liebesfamilie gebildet. Manche sprechen sogar vom urchristlichen Liebeskommunismus.
 
 

 

 Gottesdienst am Sonntag Misericordias Domini (18. April 2021) 

"Erinnern schmerzt. Erinnern heilt!" - Gedenken an die Verstorbenen der Corona-Pandemie
 
Gottesdienst mit
Prälat Prof. Dr. Traugott Schächtele (Predigt)
Pfarrerin Birgit Wasserbäch (Bericht aus der Klinikseelsorge)
Pfarrer Mirko Diepen (Liturgie)
 
 
 
 

 Predigt am Sonntag Judika (21. März 2021) 

"Kantate 12: Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen - Kantate 54: Widerstehe doch der Sünde" -
Abendgottesdienst zu Johann Sebastian Bachs 336. Geburtstag mit Pfarrer Prof. Dr. Martin Mautner [Predigt-Download]
 

 Predigt am Sonntag Sexagesimae (7. Februar 2021) 

"Wer Ohren hat zu hören, der höre!" - Gottesdienst mit Dekan Dr. Christof Ellsiepen [Predigt-Download]
 

 Predigt am 2. Sonntag nach Epiphanias (17. Januar 2021) 

"Der Freudenmeister" - Gottesdienst mit Pfarrer Mirko Diepen [Predigt-Download]
 

 Predigt am 2. Sonntag nach Weihnachten (3. Januar 2021) 

"Der Gottessohn" - Gottesdienst mit Pfarrer i.R. Gerhard Liedke [Predigt-Download]
 
 

 Heiligabend & Weihnachten 2020 

Die Altstadtgemeinde hat in der Providenz- und der Heiliggeistkirche an Heiligabend zu mehreren Gottesdiensten verschiedener Ausrichtung eingeladen, denn glücklicherweise sind unsere Kirchen groß genug, um den nötigen Abstand wahren zu können.
Wer nicht direkt mitfeiern konnte, freut sich vielleicht, die Predigten hier nachlesen zu können. - Fröhliche Weihnachten!
 
 
Heiliger Abend
14/15 Uhr: Familiengottesdienst mit Pfarrerin Imke Diepen [Predigt-Download]
 
16/17/18 Uhr: Christvesper mit Pfarrer Mirko Diepen [Predigt-Download]
 
19/21 Uhr: "Thank god it's Christmas" Popgottesdienst mit Pfarrer Vincenzo Petracca [Predigt-Download]
 
23 Uhr: Christmette mit Dekan Christof Ellsiepen [Predigt-Download]
 
1. Weihnachtstag
"Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße der Freudenboten" - Gottesdienst mit Pfarrer Mirko Diepen [Predigt-Download]
 
 

 27. September 2020: Festgottesdienst zum 50. Todestag von Hermann Maas 

Der Heiliggeistpfarrer und Ehrenbürger der Stadt Heidelberg Hermann Maas verstarb am 27. September 1970 mit 93 Jahren in Mainz. Im Gedenkgottesdienst anlässlich seines 50. Todestags hält Oberbürgermeister Prof. Dr. Eckart Würzner in der Heiliggeistkirche eine Kanzelrede:
„Hermann Maas und seine Bedeutung für die Stadt Heidelberg heute“

Rückschau:
ekihd-Pressemeldung mit Fotos [hier]

Quelle: Rhein-Neckar-Zeitung vom 28.09.2020

 
 

 "Die Sonntagspredigt zum Mitnehmen" (Auswahl) 

  • 9. Sonntag nach Trinitatis (09.08.2020): "Der Schatz im Acker" [Download]
  • 5. Sonntag nach Trinitatis (12.07.2020): "Von Gott berufen, zum Segen für alle zu werden." [Download] [Download English version]
  • 1. Sonntag nach Trinitatis (14.06.2020): "Ein Herz und eine Seele" [Download]
  • Sonntag Exaudi (24.05.2020): "Der neue Bund. Für die neue Normalität." [Download] [Download English version]
  • Christi Himmelfahrt (22.05.2020): "Alle sollen eins sein. – Gedenken an Max Josef Metzger" [Download]
  • Sonntag Rogate (17.05.2020): "Vater unser im Himmel" [Download]
  • Sonntag Kantate (10.05.2020): "Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder:
    Wenn die Jünger schweigen, werden die Steine schreien!" [Download]
 

 Predigten am 21. Juni 2020 

Festtag zur Wiedereröffnung der Providenzkirche nach der Großen Sanierung

Kurzandachten "Musik und Wort" zur vollen Stunde 12 bis 18 Uhr

            
            Die sieben "Ich bin"-Worte Jesu
             nach dem Johannesevangelium

12 Uhr: Begrüßung und Grußworte
              Ich bin die Tür - Dekan Dr. Christof Ellsiepen
           [Predigt-Download]

13 Uhr: Ich bin die Auferstehung und das Leben - Pfarrer Dr. John Raj
           [Predigt-Download]

14 Uhr: Ich bin das Licht der Welt - Pfarrer Dr. Vincenzo Petracca
           [Predigt-Download]

15 Uhr: Ich bin der Weg - Pfarrer Mirko Diepen
           [Predigt-Download]

16 Uhr: Ich bin der gute Hirte - Hajo Kenkel, CVJM

 

17 Uhr: Ich bin der wahre Weinstock - Jörg-Uwe Finze
           [Predigt-Download]

 

18 Uhr: Ich bin das Brot des Lebens - Pfarrerin Imke Diepen

 

 

 

 "Die Sonntagspredigt zum Mitnehmen" (in der strengen Corona-Zeit) 

 
  • ausgedruckte Predigten liegen zum Mitnehmen bereit:
    • Sonntag Jubilate (03.05.2020): "Der Mai ist gekommen" [Download]
    • Sonntag Miserkordias Domini (26.04.2020): "Der Gute Hirte" [Video-Gottesdienst] [Predigt-Download]
    • Sonntag Quasimodogeniti (19.04.2020): "Ostern bedeutet: Es gibt Hoffnung!" [Download]
    • Easter 2020: "THE HAPPY CORONA WISH ON EASTER" [Download]
    • Ostersonntag (12.04.2020): "Erschreckt nicht! Jesus lebt. Er ist auferstanden." [Download]
    • Karfreitag (10.04.2020): "#MitDir" [Download]
    • Palmsonntag (05.04.2020): "Mit Jesus unterwegs zum Einzug nach Jerusalem" [Video-Gottesdienst]
    • Sonntag Judika (29.03.2020): "Unterwegs zu der Stadt, die kommen wird!" [Download]
    • Bericht Corona Virus in Indien (24.03.2020): "Gras mit Salz essen" [Download]
    • Sonntag Lätare (22.03.2020): "Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt" [Download]
    • Sonntag Okuli (15.03.2020): "Mit offenen Augen" [Download]
 

 Predigt am Sonntag Septuagesimä 2020 (9. Februar) 

Festgottesdienst in der Heiliggeistkirche zur Eröffnung des "Hermann-Maas-Jahres 2020"

Hermann Maas studiert die Thora
"Vergesse ich dein, Jerusalem" (Ps 137,5f.)

Predigt: Oberkirchenrätin Dr. Cornelia Weber (Vertreterin des Landesbischofs)

Musik:  "Lieder aus Jerusalem" von Oscar Blarr (Harfe, Orgel, Sopran)


 

Liebe Gemeinde,

Vergesse ich dein, Jerusalem, so werde meine Rechte vergessen.
Meine Zunge soll an meinem Gaumen kleben, wenn ich deiner nicht gedenke, wenn ich nicht lasse Jerusalem meine höchste Freude sein.
(Ps 137, 5f.)

Unter diesen Versen aus Psalm 137 wollte Hermann Maas beerdigt werden – so schreibt es der damalige Landesbischof Hans-Wolfgang Heidland.

„Vergesse ich dein, Jerusalem" – Heute, zur Eröffnung des Gedenk-Jahres steht dieser Psalmvers über dem Leben und Wirken von Hermann Maas, auf das wir als Landeskirche dankbar zurückschauen.

Hermann Maas wusste sich Zeit seines Lebens dem Judentum in hohem Maße verbunden – als Kind voller Neugier gegenüber den jüdischen Traditionen, als junger Pfarrer in der theologischen Auseinandersetzung mit den jüdischen Wurzeln unseres christlichen Glaubens - und als Stadtpfarrer hier an der Heiliggeistkirche als mutiger Mensch, der in der Zeit des Nationalsozialismus für verfolgte Jüdinnen und Juden und für getaufte Judenchristen eingetreten ist.

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 Predigt am 3. Advent 2019 (15. Dezember) 

»Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste« / Lukas 3

Predigt: Prälat Prof. Dr. Traugott Schächtele - Heiliggeistkirche

„Nirgendwo sonst begegnen uns die alten Weihnachtsbilder so deutlich wie in der Wüste mit ihrer Stille, dem Sternenzauber, den Hirten, dem Feuer und dem Miteinander unterwegs sein. Jenseits von Konsum und Hektik, werden wir gleich in der ersten Wüstennacht das Weihnachtsfest in der inspirierenden Einfachheit der Wüste erleben: mit Lagerfeuer statt Kerzen, mit Couscous statt Gänsebraten, mit Sternschnuppen statt Lichterketten. Inmitten der Wüste, in friedevollem Miteinander einer offenen Gemeinschaft mit verschiedenen Kulturen. Wahrlich eine stille und heilige Nacht!“

Liebe Gemeinde!

Mit diesen verlockenden Sätzen wirbt ein großes Reisebüro auf seiner Internetseite für eine weihnachtliche Reise in die Wüste Tunesiens. Wanderreisen durch die Wüste sind schon seit einigen Jahren der Hit im Reiseangebot. Die Reise durch die Wüste Tunesiens – sie ist vom 21. Dezember 2019 bis zum 4. Januar 2020 für ganze 1.400 € zuzüglich 400 € für den Flug zu haben.

Die Wüste – der so ganz andere Ort, um in Kontakt mit den großen Lebensfragen zu kommen. In der Seele Verschüttetes kommt endlich zu seinem Recht. Schon mehr als einmal habe ich Menschen begeistert von einer solchen Reise erzählen hören.

Warum ich Ihnen das erzähle? - Der Predigttext für den heutigen Adventssonntag führt uns in die Wüste. Er bringt uns in Kontakt mit jenem Menschen, der wie kein anderer das Urbild des Wüstenbewohners ist. Zumindest in der Bibel. Nur mit einem Fell soll er bekleidet gewesen sein und sich von Heuschrecken und wildem Honig ernährt haben. Spätestens jetzt wissen sie, um wen es heute geht. Um Johannes, den Täufer.

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 Predigt am Reformationstag (31. Oktober) 2019 

Ökumenischer Gottesdienst der ACK Heidelberg
(Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen) in der Heiliggeistkirche

"Reformation 2019 - geht nur ökumenisch!"

Predigt: Prälat Prof. Dr. Traugott Schächtele
Musik: Bachmotette „Jesu meine Freude“

gesungen von "Consort 1585" unter der Leitung von Bezirkskantor Michael Braatz-Tempel


Liebe Gemeinde!

Gedenktag der Reformation 2019! Erinnerung daran, dass wir nicht die ersten sind, die Kirche reformieren wollen. Dankbarkeit, dass da eine Bewegung entstanden ist, die den Blick der Kirche wieder auf das Wesentliche zurückrichten wollte.
Sola Fide! Allein aus Glauben. - Sola Gratia! Allein aus Gnade. - Sola Christus. Allein Christus! - als der, um den es geht, wenn Gottes Menschenfreundlichkeit ein Gesicht bekommen soll.

Dass Sie das Reformationsgedenken 2019 hier in Heidelberg in ökumenischer Geschwisterlichkeit begehen und gottesdienstlich feiern, erfüllt mich mit Freude.
So wird hier in der Kirche und mitten in der Öffentlichkeit deutlich, dass wir gemeinsam unterwegs sind. Und dass dieser 31. Oktober nicht Anlass zu einem Fest der Trennung - und schon gar eines Festes in triumphalistischem Geist - ist.

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 Predigt am 17. Sonntag nach Trinitatis 2019 (13. Oktober) 

Beatlesgottesdienst aus der Reihe Citykirche Rock'n'Pop

"Die Beatles und Jesus & Lady Madonna"

Pfarrer Dr. Vincenzo Petracca - Heiliggeistkirche


Teil 1: Die Beatles und Jesus

Lied: Let it be

Liebe Beatles-Gemeinde,

die Beatles und Jesus - das ist ein heikles Thema! Religiös waren die Mitglieder der Band aus Liverpool, die wegen ihrer auffälligen Frisur „Pilzköpfe“ genannte wurde, schon immer. Alle vier sind christlich erzogen worden. Die zwei wichtigsten, Lennon und McCartney, sind nach den Aposteln Johannes und Paulus benannt. Im Laufe der Jahre haben sich die Beatles in ihren Liedern immer stärker mit spirituellen Themen beschäftigt. Gern haben sie sich des christlichen Wort- und Gedankenschatzes bedient. Im Lied „Let it be“, das wir gerade sangen, gibt es beispielsweise zahlreiche wörtliche Zitate der englischen Standard-Bibel „King James“. Schon die erste Textzeile „Wenn ich mich in Zeiten der Not befinde“ zitiert Psalm 10 Vers 1. Insgesamt zeichnet der Liedtext eine Sphäre des Lichts, die uns geheimnisvoll umgibt und wunderbar tröstet. Das erinnert an die christliche Himmelsvorstellung. Auch musikalisch gibt es Assoziationen eines Kirchenlieds, denn im Original gesellt sich ab der zweiten Strophe zum Klavier eine Orgel.

Die Beatles und Jesus. Mitten in der Beatlemania gab es 1966 einen Sturm der Entrüstung in christlichen Kreisen. Der Vatikan beschimpfte die Beatles als Satanisten und warf ihnen Blasphemie vor. Was war geschehen?

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 Predigt am 14. Sonntag nach Trinitatis 2019 (22. September) 

Familiengottesdienst zum Gemeindefest im Providenzgarten

"Was für ein Zirkus in und um Providenz!"

Pfarrerin Imke Diepen, Pfarrer Mirko Diepen, Pfarrer Vincenzo Petracca
Pfarrer der Altstadtgemeinde


Liebe Gemeinde,

so ein Zirkus in und um Providenz! - Es ist ein Mitmachzirkus: und Sie sind alle da, Groß und Klein!
Wir sind gespannt, was heute alles passiert im Schatten des Providenzturms hier im Garten. Das Zirkusleben ist schon spürbar.

Als erstes möchte ich Ihren Blick – wie sollte es im Gottesdienst anders sein! - zum Himmel lenken: ein Seiltänzer hat sein Seil gespannt vom Kirchturm der Providenzkirche bis in unseren geliebten Gingko. Sehen Sie´s? Wenn Sie es da hoch oben nicht so gut erkennen können, können Sie das Spektakel auch auf der Videoleinwand hier unten verfolgen.

Seiltänzer:
Meine Damen und Herren, wer von Ihnen würde sich meiner Geschicklichkeit anvertrauen, sich in die Karre setzen und von mir über das Seil fahren lassen?“ – Wie, keiner? Haben Sie denn keinen Mut?

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 Predigt am 12. Sonntag nach Trinitatis 2019 (8. September) 

"Tanz ums Goldene Kalb"

Goldenes Kalb bei der Occupy-Demonstration, Frankfurt 2011
in der Sommerpredigtreihe "Tanz und Bibel"

 
Oberkirchenrat Dr. Matthias Kreplin - Heiliggeistkirche
 
Predigt über 2. Mose 32

Da nahm das ganze Volk die goldenen Ohrringe ab und brachte sie zu Aaron. Er formte das Gold in einer Gussform und goss daraus ein Kalb. Da sagten sie: „Das ist dein Gott, Israel, der dich aus Ägypten heraufgeführt hat.“
Als Aaron das sah, baute er vor dem Kalb einen Altar und rief aus: „Morgen ist ein Fest zur Ehre des HERRN“.
Am folgenden Morgen standen sie zeitig auf, brachten Brandopfer dar und führten Tiere für das Heilsopfer herbei. Das Volk setzte sich zum Essen und Trinken und stand auf, um sich zu vergnügen.


 

Liebe Schwestern und Brüder,

warum bloß kommen die Israeliten und mit ihnen Aaron, der oberste Priester, auf die Idee, ein Goldenes Kalb anzufertigen?
Wie können sie nur so schnell das Vertrauen verlieren in diesen Mose, der sie aus Ägypten geführt hat und durch den sie schon mehrmals auf wundersame Weise gerettet wurden?
Wie können sie nur so schnell vergessen, dass sie mit diesem Gott einen Bund geschlossen haben und ausdrücklich die Einhaltung seiner Gebote zugesichert haben – darunter auch: Du sollst dir kein Bildnis machen?
Wie konnte diese ganze Geschichte nur passieren?

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 Predigt am 11. Sonntag nach Trinitatis 2019 (1. September) 

"Die gottesdienstliche Choreografie – Gebetsbewegungen  und -haltungen im evangelischen Gottesdienst"

Frühchristliche Darstellung Noahs in der Orantenhaltung
in der Sommerpredigtreihe "Tanz und Bibel"

 
Pfarrer Dr. Vincenzo Petracca - Heiliggeistkirche
 
Liebe Gemeinde,
 
zwei Jahrtausende ist diese Choreografie alt!
Die Reformatoren haben wenig am Ablauf des Gottesdienstes geändert.
Der Sonntagsgottesdienst ist ein hochkomplexes Ritual.
Choreografie und Dramaturgie sind genau durchdacht.
Doch, welche Gedanken stehen hinter den gottesdienstlichen Gebetsbewegungen und -haltungen?
Und allgemeiner: Welche nonverbale Kommunikation findet im Gottesdienst statt?
Diesen Fragen möchte ich in der heutigen Predigt nachspüren. Ich werde sie betrachten im Kontext der Gesamtdramaturgie des evangelischen Gottesdienstes.

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 Predigt am 10. Sonntag nach Trinitatis 2019 (25. August) 

"Siegestanz der Mirjam"

Mirjam nahm die Pauke in die Hand. Sieger Köder (1925-2015)
in der Sommerpredigtreihe "Tanz und Bibel"

 
Prädikantin Dr. Stephanie Gösele - Heiliggeistkirche
 
 
Predigt über 2. Mose 15,20-21
Da nahm Mirjam, die Prophetin, Aarons Schwester, eine Pauke in ihre Hand und alle Frauen folgten ihr nach mit Pauken im Reigen.
Und Mirjam sang ihnen vor: Lasst uns dem HERRN singen, denn er hat eine herrliche Tat getan; Ross und Mann hat er ins Meer gestürzt.

Liebe Gemeinde,

wir feiern heute den 10. Sonntag nach Trinitatis – dieser Sonntag wird auch „Israelsonntag“ genannt, weil an diesem Tag das Volk Israel im Mittelpunkt steht. Was ist das für ein Volk, von dem wir das Alte Testament übernommen haben?

Gehen wir zurück in die Vergangenheit und treten an das Rote Meer: Eine Gruppe schwer beladener Wanderer schlurft müde zum Ufer. In der vordersten Reihe geht Miriam. Sie hält den Kopf gesenkt. Sie ist erschöpft und traurig. Die ägyptischen Reiter sind hinter ihnen her. Und jetzt sind sie am Meer angelangt und ohne Boote gibt es keine weitere Fluchtmöglichkeit – sie sind in die Enge getrieben. Doch da geht auf einmal ein Raunen durch die Gruppe – das Meer weicht zurück! Ungläubig staunend beobachtet Miriam, wie die Meereswellen schwächer und schwächer werden, sich immer weiter zurückziehen, bis sie schließlich einen Weg öffnen. Vorsichtig tastet Miriam mit den Zehenspitzen den noch feuchten Sandboden ab. Ja, es ist wahr, sie können weitergehen! Miriam setzt zögernd einen Fuß vor den anderen. Weitere Menschen folgen ihr. Schließlich gehen sie alle trockenen Fußes durch die Meersenke, Schritt für Schritt. Als sie am anderen Ende der Senke ankommen, blickt Miriam erleichtert zurück. Doch was sie sieht, lässt ihr das kalte Grausen über den Rücken rinnen: Das Heer des Pharao folgt ihnen und ist bereits ganz nah! Auch die anderen sehen jetzt die tödliche Gefahr. Manche schreien verzweifelt auf, andere senken entmutigt den Kopf, einige bleiben aufrecht und trotzig stehen: Wenn sie schon sterben müssen, dann mit erhobenem Haupt!


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 Predigt am 9. Sonntag nach Trinitatis 2019 (18. August) 

"Tanzen hat seine Zeit"

India Rock Art - Bhimbetka Cave Paintings - Pachmarhi Themes - Bradshaw Foundation

in der Sommerpredigtreihe "Tanz und Bibel"

 
Pfarrer Dr. John S. Raj - Heiliggeistkirche
 
 
Predigt über Kohelet 3, 1&4
Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde
... weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit; klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit

 

Liebe Gemeinde,

Ich komme aus Indien, dem Land des Tanzes, obwohl ich nicht tanze. Dr. Jukka O Miettinen von der Theaterakademie Helsinki führt die Geschichte des Tanzes bis zu den 9000 Jahre alten Höhlenzeichnungen (CAVE PAINTINGS) in Indien zurück. Miettinen behauptet, über überzeugende archäologische Beweise einer Tanzkultur zu verfügen, die während der Zivilisation von Harappa und Mohenjadaro im INDUS-TAL existierte. Das INDUS-TAL ist, wie wir wissen, im heutigen Pakistan.

Wenn wir die archäologischen Daten und die entsprechende Literatur nach weiteren Kulturen untersuchen, die den Tanz förderten, entdecken wir, dass im fünften Jahrtausend v. Chr. in Ägypten Fest- und Trauertänze stattfanden.

Ich muss Ihnen nichts über den Schuhplattler, den traditionellen Volkstanz in Bayern und Tirol erzählen. Es wird angenommen, dass er aus der Jungsteinzeit stammt, etwa 3000 v.Chr.

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 Predigt am 8. Sonntag nach Trinitatis 2019 (11. August) 

"Tanzparty für den verlorenen Sohn"

Das Gleichnis vom verlorenen Sohn. Leive-Bibel. Ulrich Leive (*1957)
in der Sommerpredigtreihe "Tanz und Bibel"

 
Pfarrer Mirko Diepen - Heiliggeistkirche

 

Predigt über Lukas 15,22-32
Der Vater sprach zu seinen Knechten: Bringt schnell das beste Gewand her und zieht es ihm an und gebt ihm einen Ring an seine Hand und Schuhe an seine Füße und bringt das gemästete Kalb und schlachtet's; lasst uns essen und fröhlich sein! Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden; er war verloren und ist gefunden worden. Und sie fingen an, fröhlich zu sein...

 

Liebe Gemeinde,

ein großes Fest soll es geben! Die Musik zum Tanz spielt schon auf. Ich sehe, es nähern sich schon verschiedene Menschen:

Ein Mitarbeiter:

"Unglaublich, diese ganze Geschichte! Eine Party gibt es heute Abend – endlich mal wieder tanzen! – und ich bin eingeladen!
Ich freu mich so auf das Fest! Ich habe schon so lange keinen Grund mehr zum Feiern gehabt und jetzt bin ich bei meinem Arbeitgeber eingeladen! Er ist ein guter Chef! Natürlich achtet er darauf, dass ich meine Arbeit auf seinen Feldern zuverlässig mache, aber wenn er mit mir zufrieden ist, wenn ich schneller bin oder wenn es für die Ernte einen besonders guten Preis gibt, belohnt er mich sehr großzügig!
Ich arbeite gerne hier! Und jetzt bin ich auch noch zum Fest eingeladen. Und alles, weil sein jüngster Sohn wieder zurück ist. Ich hab ihn immer gemocht. Er war lustig, es hat Spaß gemacht, mit ihm zu arbeiten. Er hat es sich gut gehen lassen. Da waren Geschichten zu hören! Das hätte ich mich nie getraut!
Und jetzt wird er gefeiert, als wäre er erfolgreich zurück gekehrt! Ich staune über meinen Herrn und freue mich so, dass ich mitfeiern darf!
Ich muss nur noch schnell nach Hause, meine Frau holen und was passendes anziehen!
Dass ich eingeladen bin, ist großartig, unglaublich!"

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 Predigt am 7. Sonntag nach Trinitatis 2019 (4. August) 

"Aus Sack und Asche aufstehen und tanzen"

Ringelreihen. 1910. Franz von Stuck (1863-1928)
in der Sommerpredigtreihe "Tanz und Bibel"

 
Schuldekanin Dr. Beate Großklaus - Heiliggeistkirche
 
Predigt über Psalm 30,5-13

Ja, du, Gott hast mein Klagelied in einen Reigentanz verwandelt!
Den Trauermantel hast du mir ausgezogen und mich in ein Festgewand gekleidet.


Liebe Gemeinde,

Heute sind Sie in einem Gottesdienst aus der Predigtreihe Tanz und Bibel gelandet – mit dem Titel: "Aus Sack und Asche: Aufstehen und Tanzen".

Ich weiß nicht, welche „Sack und Asche-Erfahrungen“ Sie mitbringen? - Oder wie sehr Sie in diesem Sommer schon das Leben als Tanz genossen haben? - Mit den Liedern nehmen wir Sie heute 'rein in die alten verborgenen Tanzlieder in unserem Gesangbuch.

Aus Sack und Asche aufstehen und tanzen. Die Überschrift für diesen Sonntag hat sich bei mir gleich ins Herz gepflanzt.

Ich war auf der Suche nach dem,
was ich am besten finde in meiner Religion.
Nach dem, was mich noch immer zutiefst berührt.

Was würden Sie sagen?

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 Predigt am 6. Sonntag nach Trinitatis 2019 (28. Juli) 

"Ein Tanz kostet Johannes den Täufer den Kopf"

Salome, II. Fassung. 1900. Lovis Corinth (1858–1925)
in der Sommerpredigtreihe "Tanz und Bibel"

 
Prälat Prof. Dr. Traugott Schächtele - Heiliggeistkirche
 
Predigt über Markus 6,19-27
...es kam ein gelegener Tag, als Herodes an seinem Geburtstag ein Festmahl gab für seine Großen und die Obersten und die Vornehmsten von Galiläa. Da trat herein seine Tochter, die von Herodias, und tanzte, und sie gefiel Herodes und denen, die mit zu Tisch lagen. Da sprach der König zu dem Mädchen: Bitte von mir, was du willst, ich will dir's geben...


Tanz und Bibel!
Ganz harmlos, auf samtenen Pfoten, kommt der Titel der diesjährigen Sommerpredigtreihe daher. Fast beschwingt. Sommerlich leicht. Tanz und Bibel. Wer will hier Argwohn hegen.

Tanz – das ist Bewegung im kosmischen Rhythmus. Das ist Emotion und Hingabe. Das ist Spiel mit Distanz und Nähe. Mit gewollter Außenwirkung und mit bewusstem Rückzug aus der Welt. Tanzen, das ist Figur und Tradition, das ist Lust und Erotik.

Der Tanz, um den es heute gehen soll, hat vieles davon. Und setzt am Ende doch eine Tragödie in Gang. Nein, das ist kein Tanz mit Entlastung und Happy End. Stattdessen Mord und Todschlag. Eher die grässlichen Bilder der Untaten des IS in mir aufrufend als das, was eine Predigt doch eigentlich sein soll: Zuspruch des Lebensrechts im Angesicht Gottes. Erbauend und heilsam. Kritisch und Orientierung gebend – gerade in herausfordernden Zeiten.

Das Evangelium eines abgeschlagenen Hauptes – es will sich mir schon über Wochen einfach nicht erschließen. So suche ich mir Rat. Spreche Menschen an, die sich, wie ich meine, auf Weltdeutung verstehen. Und die zugleich menschenkundig sind. Ich setzte sie dem Text aus und nehme wahr, was er mit ihnen macht.

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 Predigt am 5. Sonntag nach Trinitatis 2019 (21. Juli) 

Festgottesdienst zur Eröffnung der Heidelberger Bachwoche 2019

Predigt zur Kantate 105
"Herr, gehe nicht ins Gericht mit deinem Knecht"

Pfarrer Prof. Dr. Martin-Christian Mautner
Rektor der Hochschule für Kirchenmusik, Heidelberg

 

1 Prolog

Durch das geöffnete Fenster fällt fahles Mondlicht in die Kammer. Ein Schreibtisch mit Kerze, darauf ein Stapel leerer Notenblätter, ein Blatt mit etlichen handschriftlichen Zeilen, ein Tintenfässchen, eine Schreibfeder, ein Hocker, der wahlweise zum nebenstehenden Clavichord gerückt werden kann.
Es ist ruhig im Haus – nur das das leise Ticken der Standuhr im Gang dringt an sein Ohr.
Er steht am Fenster und blickt aus der Kammer im obersten Geschoss der Thomasschule zu Leipzig auf den nächtlich leeren Thomaskirchhof. Ein kaum spürbarer Lufthauch bewegt ein paar Blätter des Lindenbaums. Für die sommerliche Jahreszeit ist es recht kühl – was vermutlich an der mond- und sternenklaren Nacht liegt. Alles schläft: Anna-Magdalena, die Kinder und auch die Internatsschüler im großen Haus. Das tagsüber so turbulente und leider auch hellhörige Gebäude ist ungewohnt still.

Am Fenster steht Johann Sebastian Bach, 38 Jahre alt – seit wenigen Monaten Thomaskantor und Director musices der Universitäts- und Handelsstadt Leipzig, des wirtschaftlichen Mittelpunktes des Kurfürstentums Sachsen.

Einen der begehrtesten Musikerposten Deutschlands hat er ergattert – nach Lehr- und Wanderjahren, die für den mit zehn zum Vollwaisen Gewordenen keineswegs leicht waren, nach mehreren Anstellungen mit vielerlei Erfahrungen – guten und schlechten:

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 Predigt am 3. Sonntag nach Trinitatis 2019 (7. Juli) 

von li: Altstadtpfarrer Mirko Diepen, Citykirchenpfarrer Dr. Vincenzo Petracca, geschäftsführender Vorstand der ESPS Ingo Strugalla, Elektroingenieur Rolf Mayer, stellv. Dekan Dr. Gunnar Garleff
Gottesdienst mit Einweihung der neuen
Lautsprecheranlage in der Heiliggeistkirche
 

Zu hören gab es im Gottesdienst am 7. Juli Vielfältiges – und dies in deutlich besserer Qualität als bisher. Denn die Altstadtgemeinde weihte ihre neue elektroakustische Anlage ein, die zum großen Teil von der Evangelischen Stiftung Pflege Schönau finanziert wurde. - Technische Informationen zur neuen elektroakustischen Anlage in der Heiliggeistkirche

In ihrer Dialogpredigt brachten Pfarrer Gunnar Garleff und Altstadtpfarrer Mirko Diepen anschaulich den akustischen Gewinn durch die neue Anlage zu Gehör. Gemeinsam erörterten sie, was nötig ist, damit das Hören auf Menschen und auf Gott gelingt. - Predigt "Das hörende Herz braucht kein Hörgerät!"

Auch Pfarrer Vincenzo Petracca zeigte sich begeistert darüber, dass die neue Anlage dank der Unterstützung der Pflege Schönau nun realisiert werden konnte. "Endlich muss der Geburtsort des Heidelberger Katechismus nicht mehr unter einer Nachhallzeit von 10 Sekunden leiden", freute sich der Citykirchenpfarrer, warb aber gleichzeitig um Geduld für die akustische Nachjustierung der Anlage, die wohl noch einige Wochen und Veranstaltungen in Anspruch nehmen wird. - Gruss- und Dankwort Pfarrer Dr. Vincenzo Petracca

 

 Predigt am Pfingstsonntag 2019 (10. Juni) 

CityGottesdienst mit Kanzelrede
 
Kommunion und Kommunikation – Überlegungen zum Pfingsfest
 

Prof. Dr. Jochen Hörisch
Literatur- und Medienwissenschaftler (Mannheim)

 

Liebe Gemeinde,

Pfingsten ist nicht nur wegen der gesegneten Jahreszeit, in die es fällt, das heiterste unter den hohen christlichen Festen.

Weihnachten fällt in die dunkle Jahreszeit; das Licht, das da mit Jesus Christus in die Welt kommt, erhellt finstere Zeiten, Zeiten der Fremdherrschaft, der Steuererhöhungen, der Abweisung von Schutzsuchenden, die keinen Raum in Herbergen finden, gar Zeiten der systematischen Kindstötung.
 
Auch zu Ostern kann es noch kalt, windig und unangenehm zugehen. Das gilt nicht nur in meteorologischer, sondern auch in theologischer Hinsicht. Der Jubel über die Auferstehung am Ostersonntag ist grundiert von der abgründig dunklen Karfreitags-Erfahrung des grausamen Foltertodes, den der Gottes- und Menschensohn zuvor erleiden muss.
Geprägt ist Ostern auch von einer eigentümlichen Kommunikationsverweigerung, nämlich von der Stille, die am und über dem Ostersamstag waltet, den Jesus Christus im Reich des Todes verbringt. Wie das denn ist – gestorben zu sein, tot zu sein – verrät der auferstandene Christus seinen Jüngern beim Wiedersehen in Emmaus nicht.
 
Pfingsten hingegen ist ein geradezu verdächtig konfliktfreies und kommunikationsfreudiges Fest. Alle, die miteinander Vertrauten wie die Fremden, mögen und lieben sich, alle sind friedlich, jeder versteht jeden. Was will man mehr?

 

 

 Predigt am Sonntag Miserikordias Domini 2019 (5. Mai) 

Pfarrer Mirko Diepen, Altstadtgemeinde

"EUROPAWAHL - DIE ZUKUNFT EUROPAS GESTALTEN!"

Europa-Erklärung/ Aufruf zur Europawahl 2019 der
Evangelischen Kirchen links und rechts des Rheins
 

Evangelium Joh 10, 11-16.27-30
11Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe. 12Der Mietling aber, der nicht Hirte ist, dem die Schafe nicht gehören, sieht den Wolf kommen und verlässt die Schafe und flieht - und der Wolf stürzt sich auf die Schafe und zerstreut sie -, 13 denn er ist ein Mietling und kümmert sich nicht um die Schafe. 14 Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen und die Meinen kennen mich, 15 wie mich mein Vater kennt und ich kenne den Vater. Und ich lasse mein Leben für die Schafe. 16 Und ich habe noch andere Schafe, die sind nicht aus diesem Stall; auch sie muss ich herführen, und sie werden meine Stimme hören, und es wird "eine" Herde und "ein" Hirte werden.
27 Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir; 28 und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen. 29 Mein Vater, der mir sie gegeben hat, ist größer als alles, und niemand kann sie aus des Vaters Hand reißen. 30 Ich und der Vater sind eins.

 

Ein guter Hirte – wie müsste der sein?

Wie sollen sie sein, die Hirten, die uns hüten?
Was muss die auszeichnen, die über unser Wohl und Wehe in Heidelberg und in Europa entscheiden?

Oder wollen wir Schafe – wir wie Schafe – lieber einfach unsere fetten Wiesen, unsere sauberen Quellen, unser süßes Leben genießen?
Es ist doch alles in Ordnung!

Oder:
Sind doch alle gleich! Keinem kann man trauen, alle wollen nur Ruhm und Ansehen für sich selbst, mehr Macht, mehr Geld. Und deshalb lohnt es sich gar nicht zu wählen!

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 Predigt am Palmsonntag 2019 (14. April) 

CityGottesdienst mit Dialogpredigt
 
„Ein letzter Tanz“ - Dreiklang aus Musik, Wort und Tanz
 

Tine Wiechmann & Pfarrer Dr. Vincenzo Petracca

 

Gebrochenheit. Das Verhältnis von Jubel und Leid (Tine Wiechmann)
Als am nächsten Tag die große Menge, die aufs Fest gekommen war, hörte, dass Jesus nach Jerusalem kommen werde, nahmen sie Palmzweige und gingen hinaus ihm entgegen und schrien: „Hosianna! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn, der König von Israel!“
 

Heute ist Palmsonntag. Bei diesem Wort kommen in mir oft Erinnerungen an Erlebnisse in der Kinderkirche auf: Eine kleine Choreographie mit grünen Zweigen, Bilder von jubelnden Menschen und einmal sogar eine Begegnung mit einem Esel. Außerdem ist da immer wieder dieses eine Lied "Jesus zieht in Jerusalem ein, Hosianna, alle Leute fangen auf der Straße an zu schreien...". Das alles verband sich in mir zu einem fröhlich ausgelassenen Eindruck dieses Tages und da wir nicht weiter über den Ruf "Hosianna" sprachen, nahm ich an, dass es wohl so etwas wie Hurra bedeuten möge; schließlich haben die Menschen, die wir gemalt haben, gejubelt.
Die Übersetzung des Rufes heißt aber "Hilf doch!" ...

 

 

 Predigt am Sonntag Judika 2019 (7. April) 

Altheim (bei Ehingen) - Fachwerk mit Sonnenuhr - ALLES HAT SEINEZEIT
Alles hat seine Zeit - Prediger 3, 1-8

Prädikant Oliver Tag - Heiliggeistkirche
 
Es hat alles seine Zeit

Und alles Tun unter dem Himmel hat seine Stunde.

Geborenwerden hat seine Zeit
Sterben hat seine Zeit,
Pflanzen hat seine Zeit
Und Ausreißen hat seine Zeit,
Töten und Heilen,

Einreißen und Bauen.

Weinen hat seine Zeit
Und Lachen hat seine Zeit,

Klagen und Tanzen,
Steine wegwerfen und Steine sammeln,
Umarmen und Getrenntsein,
Suchen und Verlieren,
Behalten und Wegwerfen,
Zerreißen und Nähen.

Schweigen hat seine Zeit
Und Reden hat seine Zeit,

Lieben und Hassen,
Streit und Frieden.

Liebe Gemeinde,

es gibt Texte in der Bibel, die uns über die Jahre unseres Lebens zu ganz besonderen Schätzen werden. Für viele von uns gehört der Psalm 23 dazu „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln“. Bestimmt auch die Weihnachtsgeschichte aus Lukas 20 „Es begab sich aber zu der Zeit“. Im heutigen Gottesdienst begegnet uns ein weiterer Schatz der Bibel: Das alttestamentliche Gedicht „Alles hat seine Zeit“. Es sind zwei Gründe, die für mich dieses Gedicht zu einem ganz besonderen Bibelschatz machen: Zum einen ist es die schlichte Schönheit seiner Verse. Zum anderen ist es die Eindringlichkeit, mit der hier vom Wesentlichen des Lebens gesprochen wird. Von Zeit und Ewigkeit

 

 

 Predigt am Sonntag Septuagesimä 2019 (17. Februar) 

DER PREDIGER/KOHELET (ECCLESIASTES) 7,15-18
 
Predigt von Pfarrer Dr. John S. Raj - Heiliggeistkirche
 

Liebe Gemeinde,

Der Predigttext für den heutigen Sonntag steht im Buch Kohelet Kapitel 7 Vers 15 bis 18. In der deutschen Bibel ist der Titel des Buches „Der Prediger Salomo“. In der Übersetzung aus meiner Muttersprache ist der Titel „Prediger der Gemeinde“. Ob König Salomo der Prediger ist, ist umstritten. Wir wissen auch nicht, ob das Buch eine Sammlung von verschiedenen Einheiten, von verschiedenen Verfassern oder aus unterschiedlicher Zeit ist. Wahrscheinlich hat König Salomo viel dazu beigetragen oder es kann auch sein,  dass er der Verfasser des ganzen Buches ist. Nach der Bibel war König Salomo der klügste Mensch seiner Zeit. Aber die vielfältigen und interessanten Ideen, die man in diesem Buch findet, stellen Fragen auch über die Verfassungszeit des Buches.
Ecclesiastes is one of the interesting books in the Old Testament, containing ideas of universal relevance. However, the fact remains that while reading the book we are left with many disturbing questions about its authorship, composition, etc. But, for that matter, there are other books in the Bible as well where we are confronted with similar concerns.

Ich lese den Predigttext:

Kohelet 7,15: Dies alles hab ich gesehen in den Tagen meines eitlen Lebens: Da ist ein Gerechter, der geht zugrunde in seiner Gerechtigkeit, und da ist ein Gottloser, der lebt lange in seiner Bosheit.
In this meaningless life of mine I have seen both of these: The righteous perishing in their righteousness and the wicked living long in their wickedness.

16. Sei nicht allzu gerecht und nicht allzu weise, damit du dich nicht zugrunde richtest.
Do not be overly righteous, neither be overly wise - Why destroy yourself?

17. Sei nicht allzu gottlos und sei kein Tor, damit du nicht sterbest vor deiner Zeit.
Do not be overly wicked, and do not be a fool - Why die before your time?

18. Es ist gut, wenn du dich an das eine hältst und auch jenes nicht aus der Hand läßt; denn wer Gott fürchtet, der entgeht dem allen.
It is good to grasp the one, and not let go of the other. Whoever fears God will avoid all extremes”.

 

 

 Predigt am Sonntag nach Weihnachten 2018 (30. Dezember) 

 
Die zweite Weihnachtsgeschichte: "Die Notwendigkeit zu Flucht"
 
Pfarrer i.R. Dr. Gerhard Liedke - Heiliggeistkirche
 

Predigt über Matthäus 2,13-238,26-39

 

„Weil Gott in tiefster Nacht erschienen“ – das erinnert uns jetzt am Ende der Weihnachtszeit noch einmal an den Zauber der Weihnachtsgeschichte aus dem Lukasevangelium, die die meisten von uns noch von Heiligabend im Ohr und im Herzen haben.
Wir haben aber noch eine zweite Weihnachtsgeschichte – im Matthäusevangelium. Und heute hören wir einen Teil dieser zweiten Weihnachtsgeschichte.
Im Kern sagen beide Weihnachtsgeschichten natürlich dasselbe „Gott ist in tiefster Nacht erschienen“ – aber sie sagen es sehr unterschiedlich. Lukas erzählt vom Stall, von der Krippe, von Maria, von den Hirten und von den Lobgesängen der Engel.
Matthäus erzählt nicht von den Hirten, sondern von den Weisen aus dem Morgenland.
Matthäus erzählt kaum etwas von Maria, sondern vor allem von Josef.
Matthäus erzählt von dem brutalen Herodes und seinem Sohn Archelaos. Zweimal muss die Familie fliehen, kann aber nach Jahren zurückkehren nach Nazareth.
Matthäus kennt keine Engelchöre, die weltweit Frieden verkündigen, eher wird Krieg geführt gegen das neugeborene Kind.
 
 
 

 Ansprache und Predigt am 17. Sonntag nach Trinitatis 2018 (23. September) 

Festgottesdienst in der Heiliggeistkirche
zur Einführung von Imke und Mirko Diepen
als Pfarrer der Altstadtgemeinde Heiliggeist-Providenz
 
Liebe Gemeinde, liebe Altstadtgemeinde,
liebe Gäste, liebe Freunde!
 
Was für ein Glück! Dass wir hier in dieser wunderbaren Kirche Gottesdienst feiern dürfen und mit Ihnen zusammen in der Heidelberger Altstadtgemeinde Heiliggeist-Providenz Kirche sein und gestalten können. Wir wünschen uns von Herzen, dass wir Ihnen lebendige geistige Impulse geben können und Ihnen gute Seelsorger sein werden.
...
 
Predigttext: Epheserbrief, 4. Kapitel:
So ermahne ich euch nun, ich, der Gefangene in dem Herrn, dass ihr der Berufung würdig lebt, mit der ihr berufen seid, in aller Demut und Sanftmut, in Geduld.
Ertragt einer den andern in Liebe und seid darauf bedacht, zu wahren die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens:
EIN Leib und EIN Geist, wie ihr auch berufen seid zu EINER Hoffnung eurer Berufung;
EIN Herr, EIN Glaube, EINE Taufe;
EIN Gott und Vater aller, der da ist über allen und durch alle und in allen.
 
 

 

 Predigt am 14. Sonntag nach Trinitatis 2018 (2. September) 

"Das perfekte Justizverbrechen"

Nabots Steinigung vor dem Weinberg
in der Sommerpredigtreihe "Kriminalgeschichten der Bibel"

 
Prälat Prof. Dr. Traugott Schächtele - Heiliggeistkirche
 
Predigt über 1. Könige 21

 

Tatort Bibel! - Können wir uns das überhaupt leisten angesichts der Ereignisse der Gegenwart? Liegt der Tatort Straße angesichts der Ereignisse der zurückliegenden Woche nicht viel näher? - Ja und nein! Das immer wieder neu Überraschende an der Bibel: Die alten Geschichten sprechen mitten hinein in die Aktualität. Das lässt sich auch dem heutigen Fall abspüren.

Tatort Samaria also. Hauptstadt des Nordreiches Israel, erste Hälfte des 9. Jahrhunderts vor Christus. Fast 3000 Jahre ist es also her, dass sich diese Ereignisse abgespielt haben. Und trotzdem sind sie brandaktuell – im wahrsten Sinne des Wortes.
 

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 Predigt am 14. Sonntag nach Trinitatis 2018 (2. September) 

"Brudermord aus Eifersucht - Kain und Abel"

Biblia, Anton Koberger. Nürnberg 1483
in der Sommerpredigtreihe "Kriminalgeschichten der Bibel"

 
Pfarrer Dr. Martin Treiber - Heiliggeistkirche
 
Predigt über 1. Mose 4,1–16

 

Adam, wo bist du? - So ruft Gott im Paradies.
Er hat den Menschen erschaffen nach seinem Bilde, weil er sich ein Lebewesen gewünscht hatte, mit dem er kommunizieren wollte.
Kommunikation, das ist ja ein Hauptkennzeichen von einer Beziehung, von einer partnerschaftlichen Beziehung.

Adam, wo bist du? - Ob der Mensch hört, hören will?

Er kann hören, er kann antworten, denn Gott gab ihm, gab uns Atem.
 

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 Predigt am 10. Sonntag nach Trinitatis 2018 (5. August) 

"Frauenpower und Mord - Jael tötet Sisera"

in der Sommerpredigtreihe "Kriminalgeschichten der Bibel"

 
Schuldekanin Dr. Beate Großklaus - Heiliggeistkirche
 
Predigt über Richter 4,17-24
 
In der Bibel stehen Erfahrungen, die Menschen mit Gott gemacht haben. Menschen nehmen Gott wahr – manchmal auch mitten in einem Krimi. Meinen Erstkontakt zu diesem Krimi hatte ich direkt nach dem Abitur in einem Intensivkurs Hebräisch in der Pfalz. Ein Pfarrer – ein genialer Hebräisch Lehrer, Rudolph Walter, – erzählte in schillernden Farben von einer Frau, deren Namen ich vorher noch nie gehört hatte: Jael.
Sie ist verheiratet mit Heber. Beide gehören zum Stamm der Keniter. Glauben die überhaupt an Gott? – Dazu wird im Buch Richter nichts erwähnt. Ich nehme Sie gleich mit hinein ins 4. Kapitel zum Tatort: Dann können Sie sich – wie bei jedem gutem Krimi selbst den Kopf machen – nach dem Warum des Tathergangs:
 

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 Predigt am 6. Sonntag nach Trinitatis 2018 (8. Juli) 

"Die Buddhaisierung des Alltags // Verstehst du auch, was du liest?"

Prälat Prof. Dr. Traugott Schächtele - Heiliggeistkirche

Predigt über Apostelgeschichte 8,26-39 [Philippus und der Kämmerer aus Äthiopien]

Die "Buddhaisierung", des Alltags, wie manche das etwas spöttisch nennen, ist längst unübersehbar. Beim Hausarzt, in der Physiotherapiepraxis, bei Freunden im Wohnzimmerregal - überall stehen kleine Buddhas.
"Kennen sie sich im Buddhismus aus", habe ich meine Physiotherapeutin gefragt. Sie hatte keine Ahnung. Ich frage nach, warum die Buddhastatue da steht. "Sie verbreitet einfach ein gutes Gefühl," sagt sie. "Besser als ein Kreuz aufzuhängen!", fügt sie noch hinzu. Ich weiß nicht, ob das gegen Söder oder gegen mich als Pfarrer gerichtet ist.


Liebe Gemeinde!

Reisezeit ist angesagt. In einigen Bundesländern haben die Sommerferien schon beginnen. In zweieinhalb Wochen beginnen sie auch bei uns. Für viele von uns gilt: Ferienzeit ist Reisezeit!
Reisen ist in. Wer reist, will Abstand gewinnen. Will die Seele baumeln lassen, wie es so schön heißt. Manchen ist es genug, sich tagtäglich träge an den Strand zu legen - Hauptsache, der Schutzfaktor der Sonnenschutzcreme ist ausreichend hoch. Andere fügen der Sammlung erklommener Berggipfel wie in jedem Jahr wieder neue hinzu. Auch an den Gipfelkreuzen ist es längst eng geworden.

Manche definieren den Marktwert ihres Urlaubszieles nach Entfernung in Kilometern zum Heimatort. Hauptsache weit weg. Hauptsache, man hat nachher etwas zu erzählen. Dort gewesen zu sein und ein Selfie als Beleg nach Hause - manchen reicht das schon.

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 Predigt am Sonntag Kantate 2018 (29. April) 

Quelle: Karin Wilke

Abschluss des Reformationsjubiläums in Heidelberg
"500 Jahre Heidelberger Disputation"
Festgottesdienst mit Pfarrerin Prof. Dr. Margot Käßmann
 
Am 26.04.1518 hat Martin Luther mit der Heidelberger Disputation seine neuen reformatorischen Erkenntnisse Vertretern von Kirche und Universität vorgestellt. Mit dem Festgottesdienst am 29.04.2018 fanden in Heidelberg die Feierlichkeiten zum Reformtionsgedenken ihren krönenden Abschluss. Als Botschafterin des Rates der EKD zog Pfarrerin Prof. Dr. Margot Käßmann ein Resümee der Reformationsdekade und gab Bezug nehmend auf die Heidelberger Disputation einen Ausblick auf die weitere Arbeit der Evangelischen Kirche.

 
“Die Botschaft vom Kreuz ist eine Gotteskraft!”

 

Predigt von Pfarrerin Prof. Dr. Margot Käßmann als PDF-Download

Quelle: Prof. Dr. Margot Käßmann


 

 Predigt am Palmsonntag 2018 (25. März) 

Im Rahmen des Jahresthemas "500 Jahre Heidelberger Disputation" der Citykirche Heiliggeist hielt Markus Nierth, Theologe, Bürgermeister a.D. und Luther-Preisträger "Das unerschrockene Wort" die Predigt zum Thema "Kreuznachfolge". - Luther entfaltete bei der Heidelberger Disputation seine Kreuzestheologie. - Nierth erlangte im Zusammenhang mit den Konflikten um eine Flüchtlingsunterkunft in Tröglitz überregionale Bekanntheit und wurde 2017 mit dem Luther-Preis ausgezeichnet.


34 Und er rief zu sich das Volk samt seinen Jüngern und sprach zu ihnen: Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. 35 Denn wer sein Leben behalten will, der wird's verlieren; und wer sein Leben verliert um meinet- und des Evangeliums willen, der wird's behalten.…

Diese Worte fand ich besonders als junger Mensch immer gruselig und weltfremd, denn na klar will ich leben und nicht sterben, wozu bin ich sonst auf dieser Welt? Denn Jesus läuft mit dem Kreuz auf dem Rücken seinem eigenen brutalen Tod entgegen, und ich soll ihm nachfolgen? Wer leidet schon gern freiwillig? Und dieses „sich selbst verleugnen“, „sein Kreuz auf sich nehmen“, das klingt nicht nur gefährlich, sondern auch so lebensunlustig, so miesepeterig-masochistisch, ich sah dabei immer so einen verhärmten Mönch vor mir, der sich selbst peitscht. Ist Glauben nicht gerade deshalb so vielen Menschen fremd, weil er so komisch Welt- und Lebensfremdes fordert?

Ich sagte mir: lieber wäre ich ein Held in der Welt, denn so ein Held ist stark, packt furchtlos und mit aller Kraft eine große Aufgabe an, beschützt Schwächere, befreit Gefangene, besiegt Tyrannen, opfert notfalls sein Leben dafür, und wird deshalb von der Menge der normalen Menschen bewundert, bekommt meist ein Denkmal (mal unter uns Männern, war das nicht auch Ihr Kleinjungen-Traum?) Um zur Gleichberechtigung zurückzukehren: Wer von uns hatte als Kind nicht den Plan, später etwas Wichtiges, Bleibendes zu vollbringen? Dies zeigt doch eine tief angelegte Sehnsucht nach Identität: So will ich gerne sein. Aber die Realität zeigt, dass hinter den meisten, hochgejubelten, märchenhaften Helden auch oft bald nur Elend und allzu menschliches Scheitern in anderen Bereichen zum Vorschein kommt, wenn die mühsam aufgebaute Fassade oder Maske einbricht, wenn ein Pieks den aufgeblasenen Ballon des Ichs platzen lässt.

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 Predigt am Sonntag Lätare 2018 (11. März) 

 
Predigt
von Prof. Dr. Renate Wind in der Heiliggeistkirche

"Passionspredigt"

 

Predigtlied: EG 85 [O Haupt voll Blut und Wunden - Paul Gerhardt]
 
 
Im Jahr 1843 fuhr der schon im Exil lebende Heinrich Heine nach Deutschland, um seinen Verleger und seine kranke Mutter zu besuchen. Die Schriften des Aufklärers, Satirikers und politischen Dichters waren bereits in Deutschland verboten, dennoch reiste er ebenso wehmütig wie kritisch durch das Land, das er so vergeblich liebte. Am Ende schrieb er als eine Art Reisebericht den Gedichtband „Deutschland ein Wintermärchen“.

Im Kapitel 13 begegnet Heine, der getaufte Jude und Bewunderer der biblischen Tradition, dem gekreuzigten Jesus.

Und als der Morgennebel zerrann,
Da sah ich am Wege ragen,
Im Frührotschein, das Bild des Manns,
Der an das Kreuz geschlagen.

Mit Wehmut erfüllt mich jedesmal
Dein Anblick, mein armer Vetter,
Der du die Welt erlösen gewollt,
Du Narr, du Menschheitsretter!

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 Predigt am Sonntag Invokavit 2018 (11. Februar) 


Predigt
von Pfarrerin Sigrid Zweygart-Pérez in der Heiliggeistkirche

"Maria, ihm schmeckt's"
 

Gewinnerslam beim 2. Badischen Frauen-Preacher-Slam
am 3. Februar in der Peterskirche

 

Geschneit hat es heute morgen. Ach, habe ich mir gedacht, was wäre es schön gewesen, wenn wir an Weihnachten solch ein Wetter gehabt hätten! Aber mal ehrlich: Lichtjahre entfernt ist doch schon wieder die Erinnerung an den holden Knaben mit lockigem Haar! An Krippenspiel und Weihnachtsoratorium. Was ist nicht alles seit dem passiert:

  • In Italien ändert der Papst das Vaterunser und bekommt dafür Schelte von Margot Käßmann.
  • In der Schweiz hängen Industriebosse einem selbsternannten Genie aus Amerika an den Lippen und versprechen, in Deutschland Arbeitsplätze abzubauen.
  • In Frankreich stirbt Paul Bocuse (ihm schmeckt's nie mehr...)
  • Und in Deutschland brüstet sich eine Christlich-Soziale-Union damit, den Familiennachzug für Flüchtlinge abzuschaffen.

Da erbleicht das Kind in der Krippe. Und weiß, dass seine Passion schon längst begonnen hat.

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 Predigt am 18. Sonntag nach Trinitatis 2017 (15. Oktober)


Predigt
von Prof. Dr. Renate Wind in der Heiliggeistkirche

im Rahmen Predigtreihe "Frauen der Reformation":

"Ottilie Müntzer"

 

Kaum etwas wissen wir von ihr, gerade einmal, dass sie wohl Ottilie von Gersen hieß, bevor sie 1523 die Frau von Thomas Müntzer wurde, der zu dieser Zeit Pfarrer in Mühlhausen war - und dessen Leben zwei Jahre später gewaltsam endete, nach der Niederlage des von ihm angeführten Bauernheeres in der Schlacht von Frankenhausen.
Nur wenig ist von ihm überliefert, und das Wenige ist lange Zeit von der Sicht der Sieger bestimmt gewesen. Die Verlierer der Geschichte haben selten ein Recht auf eine gerechte Geschichtsschreibung und Gedenkkultur - und die Frauen der Verlierer schon gar nicht.
Ottilie Müntzer verschwand in dem Dunkel, aus dem sie gekommen war, in einer Zeit der Dunkelheit, in die für kurze Zeit das Licht der Reformation gefallen war. Und doch gibt es für sie einen Gedenkort, über die Jahrhunderte erhalten und renoviert in einer Stadt, die sich eine Zeitlang stolz Müntzerstadt nannte.
 

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 Predigt am 17. Sonntag nach Trinitatis 2017 (8. Oktober)


Predigt
von Prälat Prof. Dr. Traugott Schächtele in der Heiliggeistkirche

im Rahmen Predigtreihe "Frauen der Reformation":

"Aufruhr im Himmel" - über Caritas Pirckheimer

 

Liebe Gemeinde!

Aufruhr im Himmel! Aufruhr in der Abteilung „Reformatorisch Gesinnte“. Lautstarkes Stimmengewirr an der großen Tür, über der steht: „Frauen der Reformation“.
Katharina von Bora steht wie ein Baum unter der Tür und versperrt den Durchgang. Hinter ihr ist, wie eine herbeigerufene Unterstützung, Argula von Grumbach zu sehen.

Vor der Tür eine eindrückliche Frau, die mit klarer Stimme um Einlass bittet. Einen Besuch möchte sie machen. Zu Philipp Melanchthon möchte sie geführt werden. „Mein Name ist Caritas Pirckheimer! Philipp und ich – wir kennen uns. Wir teilen denselben Glauben. Fast jedenfalls!“ „Nein!“ faucht ihr die Stimme Katharinas entgegen. Und noch einmal: „Nein! Du gehörst nicht zu uns. Du bist nie evangelisch geworden. Unsere Pfarrer hast du als Beichtväter abgelehnt. Hier kommst du niemals durch!“ „Und ich habe genug von dir gehört, als ich in Nürnberg war!“ Das Echo kam von Argula von Grumbach.

Wer ist diese Frau, der man noch im Himmel zum Vorwurf macht, sie sei niemals evangelisch gewesen?

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 Predigt am 6. Sonntag nach Trinitatis 2017 (11. August) 


Predigt
von Prof. Dr. Renate Wind in der Heiliggeistkirche

"Glaubt mir, der Christen Grund ist bei allen Religionen derselbe"
Liselotte von der Pfalz, protestantische Prinzessin am Hofe Ludwigs XIV.,
und ihre ökumenische "Privatreligion"
 
 

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 Predigt am 6. Sonntag nach Trinitatis 2017 (23. Juli)

 

CityGottesdienst in der Heiliggeistkirche - Citykirche im Gespräch:

Theresia Bauer, MdL und Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst

"Was erwarte ich von einer protestantischen Kirche?"

 

Liebe Gemeinde,
ich freue mich und danke Ihnen, dass ich heute zu Ihnen sprechen darf. Es ist ja noch nicht allzu lange her, dass ich schon einmal hier am Redepult der Heiliggeistkirche stand, nämlich als wir gemeinsam das Reformationsjahr Ende letzten Jahres eröffnet haben.
Und nun haben Sie mich gebeten, darüber zu sprechen, was ich von einer protestantischen Kirche erwarte. Also Wünsche von der Politik - in diesem Fall von mir - an Sie, die protestantische Kirche, zu formulieren.
 
Diese Bitte ist ein Geschenk für eine Politikerin, wissen Sie das?

Sonst ist es nämlich meistens anders herum. Die Politik ist Empfänger von vielerlei Wünschen, was besser werden soll, was sich ändern soll oder was sich bitte auf keinen Fall ändern soll - vorzugsweise alles gleichzeitig. Der Perspektivwechsel heute - das ist ganz etwas Besonderes für mich. Deshalb habe ich mich nicht lange bitten lassen:
Ja, sicher habe ich Wünsche und Erwartungen an eine protestantische Kirche.
Ja sicher, ich setze Hoffnungen in Sie - und keine kleinen.
 

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 Predigt am Sonntag Laetare 2017 (26. März) 


Pfarrerin Karin Treiber
- Heiliggeistkirche

Antrittsgottesdienst von Karin Treiber
als Pfarrerin im Probedienst in der Altstadtgemeinde

Predigt über Johannes 6,55-65
 

Friede sei mit uns und Gnade von Gott, unserem Vater und unserem Herrn und Bruder Jesus Christus.
Amen

Liebe Gemeinde,

seine Gedanken kreisen immer und immer um den Duft, den Geschmack, die Wärme des dicken Brotstücks. Wie endlos streicht er in Gedanken über die knusprige Kante und genießt die feine Krume.
In seinen Hungerträumen schreibt er Speisekarten, Menüfolgen: in allen Kleinigkeiten erfüllen sie ausgefallenste Wünsche, sind vielfältig in Geschmacksnuancen. Wie würde er die Menükarte verzieren, ausschmücken, ...und dann: welche große Überschrift würde er wählen? Festmahl anlässlich ... des 25. Geburtstages? Vielleicht seines 25. Geburtstages? Wenn er ihn erreichen wird? Nein, oder diese Überschrift: In großer Freude laden wir ein zum Hochzeitsessen von.... ja, ...von wem?
Wer ist er denn noch? Sein Name? Den Klang seines Namens hört er weit weit entfernt. Immer weiter weg rückt er, wird leiser. Er will ihn nicht verlieren. Er will gerufen werden. Aber hier wird sein Name eingetauscht: in eine Zahl. Eine fünfstellige Zahl: „27956“.
Sie ist ihm eingebrannt wie das Gefühl, das alles beherrscht. Es verschlägt ihm die Sprache. Es entfärbt sein Leben. Es verschluckt die Farben in seinem Leben. Dieses Gefühl umfasst ein Wort. Es schlottert an dem Menschen, ragt  in sein Leben hinein. Es wirkt sich ganz auf ihn aus, auf sein Denken, nimmt ihm die Worte, die es nicht fassen können; es hält ihn gefangen, droht seinen Blick zu leeren und macht sein Schweigen nur noch für ihn hörbar laut. Ein Wort , genau genommen sind es sechs Buchstaben, schlottert an ihm: es heißt HUNGER! Hunger!
Hunger: das sind seine körperlichen Schmerzen, Fantasien, große Schwäche.
Hunger: das ist seine Angst. Und dann gehört die Scham dazu; und die Wut, und seine Erniedrigung, und seine Ohnmacht.
Hunger, -  gewaltiger Hunger, bringt einen Menschen an die Grenzen – und darüber hinaus.
Hunger will einen Menschen verschlingen. Macht den Blick leer. Die Sprache ist für solche Grenzerfahrungen zu klein. Wie so oft von Gewalterfahrungen nicht geredet werden kann.

 
 

 Predigt am Sonntag Sexagesimae 2017 (19. Februar) 


CityGottesdienst
in der Heiliggeistkirche, in Kooperation mit dem Theater der Stadt Heidelberg

"Khôra": Tanztheater der Stadt Heidelberg unter der Leitung von Nanine Linning
 

Dekanin Dr. Marlene Schwöbel-Hug

 

„Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe, und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser.“
Im Hebräischen Urtext wird der Zustand vor der Schöpfung als Tohuwabohu bezeichnet, „wüst und leer“, als Chaos oder Khôra, als seiend und gleichzeitig nicht seiend. Der Begriff Khôra kommt aus dem Griechischen, aus Platons Dialog Timaios.

Für die Konstitution der Welt sind für Platon drei Komponenten nötig. Der Demiurg (Gottheit), die Ideen und die Khôra. Viele Philosophen, viele religiöse Schriften haben darüber nachgedacht, was vor der Schöpfung war. Wie sah ein Zwischenzustand aus, war er statisch, schwebend, fließend, sich ständig neu auflösend und dann wieder erscheinend? Platon hat eine fünf Elementen Lehre entwickelt: Feuer, Wasser, Erde, Luft und Äther. Alle fünf Elemente schweben getrennt und gleichzeitig durcheinander, teilweise auch ineinander übergehend durch die Khôra, das Vorseiende. Einem hochphilosophischen Thema haben sich Nanine Linning und ihr Team von Musikern, Licht, Food-, Kostüm- und Bühnendesignern im Tanztheater „Khôra“ gewidmet.

 
 

 Predigt an Heiligabend 2016 (24. Dezember) 


Predigt zum 3. Teil des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach / Lk 2,1-20

Christmette in der Heiliggeistkirche

Pfarrer Dr. Vincenzo Petracca
 

Weihnachtsoratorium Nr. 24-28

"Lasset uns nun gehen gen Bethlehem"

Liebe Festgemeinde,

so sprechen die Hirten im Weihnachtsoratorium zueinander, nachdem der Engel ihnen die Geburt des Messias verkündet hatte. Bach zitiert hier das heutige Weihnachtsevangelium nach Lukas. Hirten sollen uns an David erinnern. David war selbst Hirte, bevor er zum König aufstieg. Und der Messias wurde als Nachfahre Davids erwartet. Zugleich spielt die Geschichte in der Heimatstadt Davids. Dies ist nicht als historische, sondern als theologische Aussage zu verstehen. Das Weihnachtsevangelium will einen Fingerzeig geben: Hier wird einer in der Stadt Davids geboren, der von David abstammt und damit die messianischen Voraussetzungen besitzt. Bei der wundervollen Musik von Bach ist man versucht, sich eine idyllische Schäferszene vor seinem inneren Auge vorzustellen. Und viele Weihnachtslegenden schildern es auch so. Freilich, auch wenn David erst Hirte dann König war, so waren die Hirten im Weihnachtsevangelium keine königlichen Menschen. Vielmehr müssen wir sie uns als Menschen am Rand vorstellen. Am Rand von Bethlehem. Stinkende Gesellen. Raubeinig und so mutig, dass sie die Herde vor reißenden Tieren wie Wölfen schützten. Und ausgerechnet sie werden vom Engel aufgefordert, vom Lagerfeuer aufzubrechen, die anvertraute Herde ungeschützt in der Finsternis zurücklassend. Freilich nicht aus Verantwortungslosigkeit, sondern weil die alten Verheißungen greifbar sind. In dieser Nacht sendet Gott seinen Tröster und Erlöser, so hörten wir gerade im Oratorium. Es ist die Stunde der Bestimmung. Es gibt kostbare Momente im Leben, die man nicht verstreichen lassen darf. Sie kehren nie wieder. Die Hirten verstehen das und machen sich auf den Weg, weg von der Herde hin zur Verheißung.

 
 

 Predigt am 16. Sonntag nach Trinitatis 2016 (11. September) 

im Rahmen der Sommerpredigtreihe "Personen der Ökumene" in der Heiliggeistkirche:
 

Pfarrerin Dr. Gesine von Kloeden, Landeskirchliche Beauftragte für Mission und Ökumene

über
"Philipp Schaff: Evangelische Katholizität"

Evangelium aus Mt 10, 40-42:
Jesus Christus spricht: Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf; und wer mich aufnimmt, der nimmt den auf, der mich gesandt hat. Wer einen Propheten aufnimmt, weil es ein Prophet ist, der wird den Lohn eines Propheten empfangen. Wer einen Gerechten aufnimmt, weil es ein Gerechter ist, der wird den Lohn eines Gerechten empfangen. Und wer einem dieser Geringsten auch nur einen Becher kalten Wassers zu trinken gibt, weil es ein Jünger ist, wahrlich, ich sage euch: Es wird ihm nicht unbelohnt bleiben.
 
Liebe Gemeinde,
 
nie hätte Schaff selbst sich als Prophet oder Gerechter bezeichnet, aber als er nach Amerika kam, wurde er, das ehemalige uneheliche Flüchtlingskind, dort endlich aufgenommen und fand eine neue Heimat. Aber dies ist nicht der Grund, warum ich uns dieses Evangelium für heute ausgewählt habe. Sondern es birgt einen Eckpfeiler dessen, was Schaff mit Evangelischer Katholizität meint.
 
Um es gleich vorwegzunehmen, wie Evangelische Katholizität funktioniert:
  • Evangelisch sind alle Kirchen auf der ganzen Welt, die sich auf das Evangelium von Jesus Christus beziehen, also auch die katholische Kirche ist evangelisch.
  • Und katholisch sind alle Christinnen und Christen, die daran glauben, dass die Liebe Gottes die ganze (griechisch „katholos“) Welt umfasst und auch bis in den letzten Winkel dieser Erde dringen und im tiefsten Elend wirken kann.
Evangelische Katholizität ist die Botschaft von Jesus Christus in der Welt. Das hat Philip Schaff ausbuchstabiert.
 
 

 Predigt am Johannistag 2016 (24. Juni) 

"Mauerfall - ein symbolischer Akt mit Gegenwartsbedeutung"
 
 
Ökumenischer Festgottesdienst zum Gedenken an
den Fall der Scheidemauer in der Heiliggeistkirche
vor 80 Jahren
 
 
Predigt: Pfarrer Bernd Panizzi, Alt-Katholische Gemeinde
 

„Am 20.September 1874, morgens 9 Uhr, wurde bei großartiger Beteiligung der Bevölkerung, der Staats- und Gemeindebehörden der erste alt-katholische Gottesdienst in der Heiliggeistchorkirche gehalten. Schon vor Beginn des Gottesdienstes war die Kirche dicht angefüllt und freudig schallten die Gesänge von der Empore durch den Chor. Geladen zur Feier war der evang. Kirchengemeinderat, der auch gekommen war.“

So berichtet die Heidelberger Stadtchronik von einem wichtigen Ereignis für die alt-katholische Gemeinde Heidelberg und erzählt damit auch von der ökumenischen Verbundenheit der evangelischen mit der alt-katholischen Gemeinde.


Dass es überhaupt eine Trennmauer in der Heiliggeistkirche gab, hatte mit Machtansprüchen von Kurfürsten und der römisch-katholischen Kirche zu tun. Doch das ist eine andere Geschichte.

 
 

 Predigt an Christi Himmelfahrt 2016 (5. Mai) 

"Tanzen hat seine Zeit - CityGottesdienste zum Mittanzen"

Walzergottesdienst in der Heiliggeistkirche

Pfarrer Dr. Vincenzo Petracca
 
Liebe Walzer-Gemeinde,

Menschen brauchen Nähe. Sie suchen Verbindung. Sie lieben den Taumel. Sie haben körperlichen Kontakt nötig. Sie sehnen sich nach Halt und einem Menschen, bei dem sie sich fallen lassen können. -
Da schuf Gott den Tanz. Und siehe, es war sehr gut!
 

Der Wiener Walzer ist der älteste und traditionsreichste Paartanz. Er lässt sich schnell erlernen und wirkt graziös und majestätisch. Bei Bällen genauso wie bei Brautpaaren, die glückstrahlend ihre Hochzeitsfestlichkeit einläuten. Hinter dem einfach aussehenden Walzer verbirgt sich eine wechselhafte Geschichte.

 
 

 Predigt am Sonntag Judika 2016 (13. März) 

 

Pfarrer Oliver Seel - Heiliggeistkirche

Gottesdienst mit Vorstellung von Oliver Seel als Pfarrer im Probedienst in der Altstadtgemeinde

Von Christus lernen - Predigt über Hebräerbrief 5,7
 
 
Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da ist, der da war und der da kommt.
Amen
 

Von Christus lernen – Liebe Gemeinde,
das ist es doch, was Christinnen und Christen seit 2000 Jahren versuchen!
Oft aber auch auf eher zweifelhaften Wegen.
Vor 1000 oder vor 100 Jahren z.B., als von Christi Gang ans Kreuz ein soldatischer Heldentod gelernt wurde. Opferbereit in die Schlacht und wenn nötig in den Tod.
Oder vor 40-50 Jahren. Die Jesusfreunde unter den Hippies, die von Christus ein sorgenfreies Leben lernten. So leben, wie die Blumen im Felde und wie die Vögel im Himmel. Von Gott versorgt – ganz ohne Stress und ohne Sorgen.
Und auch der Predigttext heute scheint uns etwas von Christus zu lehren. Da können wir erneut etwas von Christus lernen, und zwar solches, was mit Leiden und Kummer zu tun hat.

Die Passionszeit konfrontiert uns in diesen Wochen mit den dunklen Seiten des Lebens. Die Passion Christi und die traurigen Abschnitte der Evangelien sind jetzt im Fokus. Die Verfolgung und das Sterben Jesu.
Und anders als ein antiker Soldatenheld ging Jesus nicht gerne in den Tod. Und anders als es manche seiner Gleichnisse von sorgenfreien Vögeln erscheinen lassen, war Jesus überhaupt nicht frei von Sorge und Kummer.
Denken wir an den Moment im Garten Gethsemane – so kurz vor Jesu Verhaftung. Da war Jesus kein lebensmüder und todestrotzender Held.
Er hatte Angst vor der Kreuzigung und er flehte zu Gott. Er wollte nicht gerne sterben. Ganz im Gegenteil: Er wollte als sorgenerfüllter Mensch unter Menschen und hier auf Erden weiterleben.

 
 

 Predigt am Sonntag Sexagesimae 2016 (31. Januar) 

Landesbischof Prof. Jochen Cornelius-Bundschuh

Landesbischof Dr. Jochen Cornelius Bundschuh - Heiliggeistkirche

Gottesdienst zur Eröffnung des Themenjahres der Citykirche "Die Eine Welt"
 
Predigt über Jesaja 2, 1-5
 
„Das ist das Wort, das Jesaja, der Sohn des Amoz, geschaut hat über Juda und Jerusalem:
Es wird zu der letzten Zeit der Berg, auf dem das Haus des Herrn ist, fest stehen, höher als alle Berge und über alle Hügel erhaben, und alle Nationen werden herzulaufen. Und viele Völker werden hingehen und sagen: „Kommt, lasst uns auf den Berg des Herrn gehen, zum Hause des Gottes Jakobs, damit er uns lehre seine Wege und wir wandeln auf seinen Pfaden! Denn von Zion wird Weisung ausgehen und das Wort des Herrn von Jerusalem.“
Und er wird für Recht sorgen zwischen den Nationen und vielen Völkern Recht sprechen. Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Denn es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen.
Kommt nun, ihr vom Hause Jakob, lasst uns wandeln im Lichte des Herrn!“
 
Am Ende, liebe Gemeinde,
 
kommt Gottes Gerechtigkeit zu ihrem Ziel: Von Osten und von Westen, von Süden und von Norden ziehen die Menschen herbei, um Gottes Wort zu hören. Das Recht setzt sich durch und es herrscht Frieden unter den Völkern – und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen.
Die Vision des Propheten nimmt uns hinein in eine doppelte Bewegung: Gottes Gerechtigkeit erfüllt die eine Welt und zieht zugleich die Völker zu sich. Was am Ende für alle sichtbar sein wird, wird heute schon im Glauben Wirklichkeit. Deshalb: „Auf, kommt herbei, lasst uns wandeln im Lichte des Herrn!“
 
 

 Predigt am Epiphaniastag 2016 (6. Januar) 


Pfarrer Dr. Vincenzo Petracca - Heiliggeistkirche

Predigt zu Hermann Stöhr  / Röm 12,9.14.17-21

"Soweit es euch möglich ist, haltet mit allen Menschen Frieden!"

 


Die Liebe sei ohne Falsch. Hasst das Böse, hängt dem Guten an.

Segnet, die euch verfolgen; segnet, und flucht nicht.
Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann.
Soweit es euch möglich ist, haltet mit allen Menschen Frieden!
Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben: »Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr.«
Vielmehr, »wenn deinen Feind hungert, gib ihm zu essen; dürstet ihn, gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln«
Lasse dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.


Liebe Schwestern und Brüder,

Soweit es euch möglich ist, haltet mit allen Menschen Frieden!

Stettin, Februar 1939. Ein Marinezahlmeister aus dem 1. Weltkrieg hat die Einberufung zur Reserveübung erhalten. Es sind zwar noch Friedenszeiten, aber die Vorbereitungen auf den 2. Weltkrieg haben begonnen. Der Reserveoffizier sitzt an seinem Schreibtisch und schreibt einen Brief an das Wehrbezirkskommando. Er verweigert darin den Dienst mit der Waffe. Auch den zugehörigen Eid lehnt er ab. Aus Gewissensgründen. Er beruft sich dabei auf die Bergpredigt Jesu, auf das Gebot der Feindesliebe (Mt 5,21-26, 38-48).

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 Predigt am 19. Sonntag nach Trinitatis 2015 (11. Oktober) 


Pfarrer Dr. Vincenzo Petracca - Heiliggeistkirche

"Let it be" - Pop-Gottesdienst mit Beatlessongs zum Mitsingen


Beatleslieder als Kirchenlieder! - Warum nicht?

 

Die Lieder der Beatles sind oft genug spirituelle Lieder. Sie drehen sich um Liebe, Frieden, Leid oder soziale Fragen. Manche haben auch Anspielungen auf die Bibel. Das allein ist Grund genug, sich mit den Texten einmal im Gottesdienst näher auseinander zu setzen.
Und die Melodien? So manche klagen heute, dass die Kirchenlieder ihnen musikalisch fremd sind. Martin Luther dagegen hat volkstümliche Melodien in den Gottesdienst eingeführt. Dieses Weg möchten wir weitergehen. Die Beatles-Lieder sind bekannt und lassen sich (meist) gut singen. Der Gottesdienst ist ein musikalisches Experiment. Wir möchten ausprobieren, ob Lieder, die gut und gern gesungen werden, nicht ihren Platz im heutigem Gottesdienst finden können.

"Let it be" ist ein Gottesdienst für jene, die gern Beatleslieder singen oder Gottesdienst einmal musikalisch anders erleben möchten. Alle Lieder im Gottesdienst sind von den Beatles und können mitgesungen werden.

Das Motto ist "Let it be", über dieses Beatles-Lied wird auch gepredigt werden.

hier die Predigt als Download

 

 ZDF-Fernsehgottesdienst am 9. Sonntag nach Trinitatis 2015 (2. August) 

"Am Grund aller Fragen"
 
Gottesdienst zum "Physik-Fenster" von Prof. Johannes Schreiter in der Heiliggeistkirche im Gedenken an den 70. Jahrestag des Abwurfs der Atombomben über Hiroshima und Nagasaki
 
  • der vollständige Gottesdienst (Predigt, Lesungen, Texte, Lieder, Gebete, Mitwirkende) zum Nachlesen:
    Ablauf und Textbuch
 

 Predigt am 6. Sonntag nach Trinitatis 2015 (12. Juli) 

 
Pfarrer Dr. Vincenzo Petracca - Heiliggeistkirche
 
Der biblische Kanon / Joh 1,1

 

"Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort."
 
Im Anfang war das göttliche Wort. - Aber welches Wort?
 
Das Jahresthema der Citykirche ist „Bild und Bibel“. In den Sommerferien gibt es eine große Predigtreihe dazu. Im Herbst eine Vaterunser-Ausstellung mit abstrakten Bildern des Heidelberger Künstlers Siegfried Angermüller. Es wird einen Theatergottesdienst und eine Theateraufführung geben. Vieles rund um das Bild.

Doch wie sieht es eigentlich mit der Bibel aus? Stutzig hat mich ein Gespräch mit einem argentinischen Befreiungstheologen vor einigen Tagen gemacht. Er erzählte mir, dass in Argentinien der Romanbestseller „Sakrileg“ für viel Verwirrung sorgt. Auch in Argentinien?, dachte ich erstaunt.
Im Roman „Sakrileg“ von Dan Brown und entsprechend in der Verfilmung „Da Vinci Code“ wird behauptet: Es hätte eine große Vertuschungsaktion gegeben. Kaiser Konstantin hätte in einem Konzil manche Bücher aus der Bibel verbannt. Der Grund sei gewesen, weil sie ketzerische Meinungen vertreten hätten.
 

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 Predigt am Sonntag Exaudi 2015 (17. Mai) 


Pfarrerin Sigrid Zweygart-Pérez - Heiliggeistkirche

Bittgottesdienst für die Einheit der Kirche

 
 
Liebe Gemeinde,

während wir hier in der Heiliggeistkirche Gottesdienst feiern, findet auf dem Universitätsplatz der zentrale Gottesdienst der katholischen Gemeinden zur Gründung der Stadtkirche statt. Damit findet die Umstrukturierung der katholischen Gemeinden einen vorläufigen Höhe- und Endpunkt. Heidelberg ist dabei eventuell Vorreiter für andere Städte in Baden oder ganz Deutschland. Nötig waren diese Umstrukturierungen hauptsächlich durch die schmaler werdende Personaldecke, mit der die katholische Kirche deutlich stärker zu kämpfen hat als die evangelische. Aber natürlich spielen auch die kleiner werdenden Gemeinden, die zu großen Kirchen und Gebäude, die geringer werdenden Finanzmittel eine Rolle. Und da sehen wir uns ja evangelischerseits vor die gleichen Herausforderungen gestellt.

Ich bin sehr gespannt, wie diese Stadtkirche funktionieren wird. Ob sie tatsächlich zu einer Entlastung der wenigen Priester führen wird. Und die Gemeinschaft der Katholiken untereinander stärken.

Es kann uns nicht egal sein, wie sich die Zukunft der Katholischen Kirche gestaltet. Nicht nur, weil wir heute den Bittgottesdienst für die Einheit der Kirche feiern. Sondern auch deshalb, weil wir mit den Katholiken in einem Boot sitzen.
 
 

 

 Predigt am Sonntag Okuli 2015 (8. März) 

Pfarrer Dr. Vincenzo Petracca - Heiliggeistkirche
 
Liedpredigt „Warum sollt ich mich denn grämen?“ (EG 370)

Predigttext Joh 10,11: Christus spricht: Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe.
 

Warum sollt ich mich denn grämen?
Hab ich doch Christus noch,/ wer will mir den nehmen?
Wer will mir den Himmel rauben,
den mir schon Gottes Sohn/ beigelegt im Glauben?

 

Liebe Schwestern und Brüder,

Deutschland, fünf Jahre nach Ende des 30jährigen Krieges. Ein Dichter, der das Grauen miterlebt hat, veröffentlicht ein Vertrauenslied. Es ist Paul Gerhardt, einer der bedeutendsten Dichter von Kirchenliedern. Als Theologie-Student in Wittenberg hatte er 1631 den Einzug der schwedischen Truppen nach Deutschland erlebt. Dann folgten grausame Schreckensjahre. Soldaten verwüsteten das Land. Dörfer wurden gebrandschatzt. Eine nie geahnte Hungersnot kam über das Land, weil die Felder nicht mehr bestellt werden konnten. Der schwarze Tod, die Pest, grassierte. Um Ostern 1637 waren die Schweden vor seiner Heimatstadt erschienen. Sie forderten die ungeheuere Summe von 3000 Gulden als Lösegeld. Andernfalls sollte die Stadt niedergebrannt werden. Die verzweifelten Bürger gingen auf die Forderung ein und brachten unter gewaltigen Opfern die Summe auf. Aber die Schweden dachten nicht daran, ihre Zusage zu halten. Kaum hatten sie das Lösegeld, brannten sie die Stadt vollkommen nieder. Auch die Kirche wurde bis auf die Grundmauern zerstört. Paul Gerhardt verlor dabei seinen gesamten ererbten Besitz: das Elternhaus, die Landwirtschaft und das Gasthaus. Im November starb dann sein Bruder an Pest. Diese Erfahrungen wirkten prägend auf den Lieddichter.
Unter den Eindrücken der Kriegsereignisse und ihrer Folgen verfasste er später das Lied „Warum sollt ich mich denn grämen?“

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 Predigt am Letzten Sonntag nach Epiphanias 2015 (25. Januar) 

Predigt von Pfarrer Dr. Vincenzo Petracca im Gottesdienst in der Heiliggeistkirche
anlässlich seiner Einführung auf die Pfarrstelle II der Altstadtgemeinde Heiliggeist-Providenz
mit Schwerpunkt Citykirchenarbeit

Predigt über Mk 4,26-29

 

Jesus sagte: Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mann Samen auf seinen Acker sät; dann schläft er und steht wieder auf, es wird Nacht und wird Tag, der Samen keimt und wächst, und der Mann weiß nicht, wie. Die Erde bringt von selbst ihre Frucht, zuerst den Halm, dann die Ähre, dann das volle Korn in der Ähre. Sobald aber die Frucht reif ist, legt er die Sichel an; denn die Zeit der Ernte ist da.

Liebe Schwestern und Brüder,

was für eine seltsame Geschichte! Jesus erzählt, das Reich Gottes ist wie ein Bauer, der nach der Aussaat anscheinend lange dem Müßiggang frönt. Wir hörten das Gleichnis vorhin als Lesung bei der Einführung.

Ist das eine Anleitung für den neuen Pfarrer zum Faulenzen?
Oder: Wird uns mit dem Gleichnis kirchlicher Winterschlaf verordnet? Die sozialen Bedingungen in der Stadt haben sich geändert. Mit radikalen Auswirkungen für die Stadtgemeinden. Und mit „Stadt“ meine ich nicht nur die Altstadt, sondern genauso den Boxberg oder andere Stadtteile. Es ist deutlich schwieriger als früher, Kirche in der Stadt zu sein. Wie selbstverständlich sich einstmals das Gemeinwesen um die kirchliche Mitte gruppierte, kann man allein an der Größe von Heiliggeist am Marktplatz ablesen. Diese Selbstverständlichkeit gibt es aber längst nicht mehr in der Stadtgesellschaft. Wie damit umgehen? Man kann sich rückwärts gewandt in das eigene kirchlich Schneckenhaus zurückziehen. Bei manchen gepaart mit dem Jammern nach der guten alten Zeit. Oder man kann sich auf knapp 2000 Jahre Christentum ausruhen. Und in den Winterschlaf verfallen, um aufzuwachen, wenn in Europa wieder ein Frühling des Glaubens anbrechen sollte. Ist das Gleichnis im Sinne von kirchlicher Erstarrung, Stillstand oder Faulenzertum gemeint?

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 Predigt am 2. Sonntag nach Weihnachen 2014/2015 (4. Januar) 

 

Predigt von Pfarrer Dr. Vincenzo Petracca
in der Heiliggeistkirche

Predigt über Mt 2,13-15

Bild: Flucht nach Ägypten, Jean-François Millet

Mt 2,13-15: Als die Sterndeuter wieder gegangen waren, erschien dem Josef im Traum ein Engel des Herrn und sagte: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter, und flieh nach Ägypten; dort bleibe, bis ich dir etwas anderes auftrage; denn Herodes wird das Kind suchen, um es zu töten.
Da stand Josef in der Nacht auf und floh mit dem Kind und dessen Mutter nach Ägypten.
Dort blieb er bis zum Tod des Herodes. Denn es sollte sich erfüllen, was der Herr durch den Propheten gesagt hat: Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.

Liebe Schwestern und Brüder!

„Natürlich, kommen Sie herein, nur herein!“ - Eine mutige, in jener Situation gefährliche Einladung.
Es war in einem südfranzösischen Bergdorf, im Winter 1940. Der eisige Wind wirbelte den Schnee durch die Straßen. Es klopfte. Magda Trocmé öffnete die Tür des Pfarrhauses. Sie sah eine Gestalt, die mehr einem Schneemann mit großen, schwarzen Augen als einer Frau glich. Das ausgemergelte Gesicht zitterte vor Kälte oder Angst. Die Fremde war eine deutsche Jüdin, die vor den Nazis auf der Flucht war.
„Ich bin in großer Gefahr. Darf ich hereinkommen?“, fragte die Fremde unsicher.
Magda antwortete: „Natürlich, kommen Sie herein, nur herein!“

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 Predigt am 14. Sonntag nach Trinitatis 2014 (21. September) 

 
Predigt von Pfarrer Dr. Vincenzo Petracca

anlässlich seiner Vorstellung für die Pfarrstelle II der Altstadtgemeinde

Predigt über 1 Thess 5,13b-24

 

13b Haltet Frieden untereinander!
14 Wir ermahnen euch, Geschwister: Weist die zurecht, die ein unordentliches Leben führen, ermutigt die Ängstlichen, nehmt euch der Schwachen an, seid geduldig mit allen!
15 Seht zu, dass keiner dem andern Böses mit Bösem vergilt, sondern bemüht euch immer, einander und allen Gutes zu tun.
16 Freut euch zu jeder Zeit!
17 Betet ohne Unterlass!
18 Dankt für alles; denn das will Gott von euch, die ihr Christus Jesus gehört.
19 Löscht den Geist nicht aus!
20 Verachtet prophetisches Reden nicht!
21 Prüft alles, und behaltet das Gute!
22 Meidet das Böse in jeder Gestalt!
23 Der Gott des Friedens heilige euch ganz und gar und bewahre euren Geist, eure Seele und euren Leib unversehrt, damit ihr ohne Tadel seid, wenn Jesus Christus, unser Herr, kommt.
24 Gott, der euch beruft, ist treu; er wird es tun. Amen.

 

Löscht den Geist nicht aus!
Was für ein Satz – an einem Ort, an dem seit 800 Jahren eine dem Heiligen Geist gewidmete Kirche steht!

Löscht den Geist nicht aus!
Ich habe mich gefragt, was könnte die Heiliggeistkirche zu diesem Satz des Apostel Paulus erzählen? Welches Licht wirft dieser Kirchenraum auf den heutigen Predigttext?

Lassen Sie uns mit dem Predigttext auf Entdeckungsreise in dieser Kirche gehen….

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 Predigt am 8. Sonntag nach Trinitatis 2014 (10. August) 


"Lebt als Kinder des Lichts!" -

Predigt von Schuldekanin Dr. Beate Großklaus

mit anschließender Eröffnung des Ausstellung zum
Westfenster in der Heiliggeistkirche:

Das Offenbarungsfenster von H.G. von Stockhausen

 

Liebe Gemeinde,

Lebt als Kinder des Lichts! -
Mit Lichtliedern haben wir bisher diesen Raum gefüllt.

Jetzt kommt die Farbe dazu! -
Die Kirchenfenster erzählen eine ganz eigene Geschichte mit ihren Farben und Formen. Wenn Sie hier schon öfters waren, haben Sie vielleicht hier in der Kirche ein Lieblingsfenster. Eins, das Sie besonders gut verstehen – und vielleicht auch eins, mit dem Sie so gar nichts anfangen können. Möglicherweise ist eins von den vielen Fenstern Ihnen bis heute noch nicht aufgefallen.

Ich habe sehr lange gebraucht, um das Fenster im Westen zu entdecken. Hab mir meine eigene Geschichte und Wahrnehmung dazu gereimt. Wer hat dieses Fenster gemacht? - Und was wollte er damit erzählen?

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 Tischabendmahl am Gründonnerstag 2014 (17. April) 

 

Tischabendmahlsfeier in der Providenzkirche:

"An einem Tisch mit Jesus Christus"

Pfarrerin Sigrid Zweygart-Pérez

 

Als ganz unterschiedliche Menschen sind wir hier am Abend des Gründonnerstages in unserer Kirche zusammengekommen:
Die einen noch abgehetzt von einem anstrengenden Arbeitstag.
Andere, denen der Tag viel zu langsam verging, weil er ohne Höhepunkte blieb.
Manche, die selber glücklich sind und doch in der Karwoche das Leid der Welt an sich herankommen lassen möchten.
Andere, die selber unter den Lasten ihres Kreuzes stöhnen.

Versammelt sind wir an diesem Tisch. Wie einst die Jüngerinnen und Jünger Jesu mit ihren unterschiedlichen Lebensgeschichten. Keine Heilige, sondern Menschen mit ihren Gebrochenheiten und ihrem Versagen, mit ihrer Hoffnung und ihrer Sehnsucht.

Miteinander sitzen wir an einem Tisch, nicht weil wir uns dazu verabredet haben, sondern weil wir von ihm dazu eingeladen sind. So wie Jesus sich immer wieder zu Menschen an den Tisch gesetzt hat, weil er ihnen nahe sein wollte. Von einigen von ihnen werden wir im Laufe des Gottesdienstes hören.

Als Eingeladene, als Willkommene wollen wir miteinander den letzten Abend Jesu bedenken und als Gäste an seinem Tisch seine Gaben teilen, Brot und Wein. Ich wünsche uns dazu die Bereitschaft, mit leeren Händen vor ihn zu treten, um sie sich von ihm füllen zu lassen.

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 Predigt am Palmsonntag 2014 (13. April) 

Predigt von Pfarrer Matthias Schärr über Hebräer 12, 1-3

Liebe Gemeinde,

am Palmsonntag gedenkt man der Geschichte vom Einzug Jesu in Jerusalem. Wir haben es in der Lesung am Altar gehört. Es ist die erste Station des letzten Weges Jesu, den wir in der kommenden Karwoche bedenken. Jesus lässt die Händler im Tempel seinen Unmut spüren, - die Salbung in Bethanien – das letztes Abendmahl – die Gefangennahme in Gethsemane– das Verhör vor Kaiphas – das Verhör vor Pilatus – Kreuzigung – Kreuzabnahme und Grablegung sind die weiteren Stationen.
Gerade die letzten Stationen sind Teil der sog. Kreuzwegstationen, die es in vielen Gegenden gibt. Auch bei uns sind sie an Wegrändern oder in Kirchen zu finden.

Auch musikalisch gedenken wir in diesen Tagen des Leidensweges Christi, wie in den Passionen von Bach. Mit Kreuzwegstationen und musikalischen Werken vergegenwärtig und verinnerlichen wir uns diesen Weg. Seit alters her ist diese Geschichte Kernpunkt christlicher Theologie und Glaubens.
Sie ist auch Teil des Glaubensbekenntnisses, das wir eben gemeinsam gesprochen haben:
gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am 3. Tage auferstanden von den Toten

Besonders der letzte Satz ist wichtig. Von der ganzen Geschichte wüssten wir nichts, wäre nicht mit der Auferstehung am 3. Tag, die wir dann kommenden Ostersonntag feiern, der Geschichte eine neue unerwartete und hoffnungsvolle Wendung gegeben worden.

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 Predigt am Sonntag Reminiscere 2014 (16. März) 

Predigt von Oliver Tag zu seiner Einführung als Prädikant im Kirchenbezirk Heidelberg

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Der Predigttext für den heutigen Sonntag steht im Hebräerbrief, Kapitel 11, die Verse 8 bis 10.

8 Durch den Glauben wurde "Abraham" gehorsam, als er berufen wurde, in ein Land zu ziehen, das er erben sollte; und er zog aus und wusste nicht, wo er hinkäme.
9 Durch den Glauben ist er ein Fremdling gewesen in dem verheißenen Lande wie in einem fremden und wohnte in Zelten mit Isaak und Jakob, den Miterben derselben Verheißung.
10 Denn er wartete auf die Stadt, die einen festen Grund hat, deren Baumeister und Schöpfer Gott ist.

Lebendiger Gott, segne unser Reden und unser Hören. Amen.

Liebe Gemeinde!

1) Verhör in Karlsruhe

Schon eine halbe Ewigkeit dauerte das Verhör. Er saß im Hauptquartier der Geheimen Staatspolizei in Karlsruhe. Sein Gegenüber hatte ihn viele Stunden lang mit Fragen gequält.

Sein Gefühl sagte ihm, das Netz um ihn zog sich zu.
Was hatte er getan? Er pflegte schon seit vielen Jahren die Freundschaft mit der jüdischen Gemeinde in Heidelberg. Er besuchte sie zur Pessachfeier und an anderen jüdischen Feiertagen in der Synagoge. An christlichen Festtagen, zu Weihnachten, zu Ostern, hatte er Vertreter der jüdischen Gemeinde zu den Gottesdiensten in die Heiliggeistkirche eingeladen.
Im November 1938 wurde die Synagoge von den Nationalsozialisten angezündet, die jüdische Gemeinde war heimatlos geworden, Juden wurden immer offener schikaniert und verfolgt. Nun half er seinen Freunden verstärkt, beriet sie und unterstützte sie auch finanziell. Mit Geschick und Vorsicht verhalf er vielen, vermutlich Hunderten von Juden, zur Ausreise. Das alles stand unter Strafe. Es konnte Verhaftung, Konzentrationslager und Tod für ihn bedeuten.

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Predigt am 2. Sonntag nach Weihnachten 2013/14 (5. Januar)

Predigt von Prädikant i.A. Oliver Tag in der "Abendkirche in Providenz"

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen.
 

Unser Text für die heutige Predigt steht im Buch Prediger im 31. Kapitel, die Verse 1 bis 8. Ich lese aus einer Übersetzung von Jörg Zink:

Es hat alles seine Zeit
Und alles Tun unter dem Himmel hat seine Stunde.
Geborenwerden hat seine Zeit
Sterben hat seine Zeit,
Pflanzen hat seine Zeit
Und Ausreißen hat seine Zeit,
Töten und Heilen,
Einreißen und Bauen.
Weinen hat seine Zeit
Und Lachen hat seine Zeit,
Klagen und Tanzen,
Steine wegwerfen und Steine sammeln,

Umarmen und Getrenntsein,
Suchen und Verlieren,
Behalten und Wegwerfen,
Zerreißen und Nähen.
Schweigen hat seine Zeit
Und Reden hat seine Zeit,
Lieben und Hassen,
Streit und Frieden.

Liebe Gemeinde,

es gibt Texte in der Bibel, die uns über die Jahre unseres Lebens zu ganz besonderen Schätzen werden. Für viele von uns gehört der Psalm 23 dazu „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln“. Bestimmt auch die Weihnachtsgeschichte aus Lukas 20 „Es begab sich aber zu der Zeit“. Noch keine zwei Wochen ist es her, dass wir sie im Gottesdienst an Heiligabend hörten. Inzwischen ist das Neue Jahr angebrochen, und im heutigen Gottesdienst begegnet uns ein weiterer Schatz der Bibel, der mir besonders kostbar ist: Das alttestamentliche Gedicht Alles hat seine Zeit. Freilich liegt das nicht nur an der schlichten Schönheit seiner Verse. Sondern auch an der Eindringlichkeit, mit der hier vom Wesentlichen des Lebens gesprochen wird.

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Predigt am 23. Sonntag nach Trinitatis 2013 (3. November)

Was verleiht dem Wort Gewicht? - Predigt zu Mt 5, 33-37

Examenspredigt von Lehrvikarin Bettina Kommoss

Gnade sei mit euch und Friede von dem der da ist, und der da war und der da kommt.

Liebe Gemeinde,

„Am Anfang war das Wort“, sagt Johannes.
Das Wort ward Mensch „und sie legten es in eine Krippe“, sagt Lukas.
Die Seinen nahmen das Wort nicht auf, sagt Johannes.
Das Wort ist wie ein neugeborenes Kind, sagt Lukas.
Es braucht Wärme. Dafür wird es in Windeln „ein-gewickelt“. Dann kann es sich „entwickeln“. Und das Wort wurde 12 Jahre alt und hörte den Worten der Gelehrten zu. Es machte sich die Lehren der Alten zu eigen. Es hörte von heiligen Texten der Hebräer aus der Tora. Die Tora ist das Buch, in dem Geschichten, Gesichte und Gedichte versammelt sind, die vom Leben mit Gott, in Gott und gegen Gott erzählen. So lebte der erwachsene Rabbi sich ein in die Tora, er lebte mit der Tora. Und die, die ihm glaubten, wagten den Satz: Dieser da, der Mann aus Nazareth, der lebt nicht nur in und mit der Tora - er i s t die Tora. Er gibt nicht nur Anweisung, er i s t die Weisung. Denn Tora heißt „Wegweisung“.

Alle diese wundersamen Geschichten kreisen um den größten Schatz Gottes und des Menschen: Das Wort. Die biblischen Worte für heute stehen im Evangelium nach Matthäus im 5. Kapitel in der Bergpredigt:

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Predigt am Sonntag Judika 2013 (17. März)

„Warum musste Christus leiden? - Zur 37. Frage des Heidelberger Katechismus“

Predigt von Landesbischof Dr. Ulrich Fischer zum 450-jährigen Katechismus-Jubiläum

 

Was verstehst du unter dem Wort »gelitten«?

Jesus Christus hat an Leib und Seele die ganze Zeit seines Lebens auf Erden, besonders aber an dessen Ende, den Zorn Gottes über die Sünde des ganzen Menschen-geschlechts getragen. Mit seinem Leiden als dem einmaligen Sühnopfer hat er unseren Leib und unsere Seele von der ewigen Verdammnis erlöst und uns Gottes Gnade, Gerechtigkeit und ewiges Leben erworben.

Liebe Gemeinde,

im Jubiläumsjahr des Heidelberger Katechismus haben Sie Menschen eingeladen, sich in Predigten mit dem Heidelberger Katechismus zu befassen. Für den heutigen Sonntag war der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland als Prediger vorgesehen. Da er aber ausgerechnet heute in Berlin die EKD beim Jubiläum „40 Jahre Kirchengemeinschaft der Evangelischen Kirchen in Europa“ vertreten muss, bin ich für ihn eingesprungen.

Gerade rechtzeitig zur Vorbereitung auf meine Predigt erhielt ich vor wenigen Tagen das kleine Büchlein „Heidelberger Glauben - 450 Jahre nach Erscheinen des Heidelberger Katechismus“. Es ist ein lesenswertes Buch - entstanden aufgrund einer Fragebogenaktion, bei der gefragt wurde: „Was glauben eigentlich die Heidelberger?“

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Predigt am Sonntag Laetare 2013 (10. März)

„Von des Menschen Elend - Von des Menschen Erlösung - Von der Dankbarkeit“

Predigt von Dekanin Dr. Marlene Schwöbel-Hug zum 450-jährigen Katechismus-Jubiläum im Gottesdienst in Zusammenarbeit mit dem Heidelberger Theater - "Dance Company Nanine Linning"

Liebe Gemeinde,

der Heidelberger Katechismus, der weltweit in vielen Kirchen Orientierung für Glaubensfragen gibt, feiert in diesem Jahr sein 450-jähriges Jubiläum.
In Zusammenarbeit zwischen Politik und Kirche sind im Jahr 1563 in Heidelberg 129 Fragen und Antworten zu Glaubensfragen entstanden.

Immer wieder haben sich Menschen in den 2000 Jahren der Geschichte des Christentums Gedanken gemacht über biblische Texte und deren Inhalte. Leichte Kost ist keine Religion, auch das Christentum nicht. Der nahe und doch immer wieder ferne Gott ist eine Provokation, eine Herausforderung an Intellekt und Herz:

Wo ist Gott, wenn wir ihn brauchen, warum lässt er Schreckliches zu, bei Menschen und in der Natur? – Wie kann man sich die Auferstehung vorstellen? – Wie kann jemand gleichzeitig Mensch und Gott sein? – Was bedeutet die Himmelfahrt, wo und was ist der Himmel eigentlich? – Sind religiöse Menschen bessere Menschen? – Sind die Texte der Bibel Wort für Wort Gottes Wort oder bedürfen sie der Auslegung und jeweiligen Übertragung in die Zeit?

Alles Fragen, die uns nicht nur heute bewegen, sondern die seit Jahrtausenden Gesprächs- und Konfliktstoff geben. Es ist das große Verdienst der Katechismen, seien es die von Martin Luther oder die des Heidelberger Katechismus, dass sie versucht haben, einige Fragen zu beantworten.

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Predigt am Sonntag Okuli 2013 (3. März)

„Ganz bei Trost" - zur ersten Frage des Heidelberger Katechismus

Predigt - mit Zwischenrufen - im ZDF-Fernsehgottesdienst aus der Heiliggeistkirche im Rahmen des 450-jährigen Katechismus-Jubiläums

 

Also, bitte entschuldigt! Kaum ist man mal 450 Jahre weg …

Gestatten: Zacharias Ursinus, einst Pfarrer hier in Heidelberg!

Was hat sich die Zeit doch verändert! Eine Pfarrerin oder ihr Konfirmandinnen und Konfirmanden hier vorne? Damals undenkbar! Und überhaupt! Was macht denn das Kruzefix und das Gestrüpp auf dem Tisch des Herrn? Allein die BIBEL sollte hier liegen, und sonst nichts! Und singen – das konnten wir auch ohne Orgel! Ihr Konfirmanden hättet sicher nicht vom Schönsein und Trinken geredet, sondern wie jeder hierzulande, alle 129 Fragen und Antworten aus meinem Heidelberger Katechismus auswendig gelernt!

Kurfürst Friedrichs III. hatte mich beauftragt, ihn zu verfassen, damit die Leute in Fragen des Glaubens Orientierung haben. Am Anfang steht die wichtigste Frage der Menschen meiner Zeit:
„Was ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben?“
Ihr müsst wissen – Leid und Tod war unsere täglichen Begleiter. Und die Antwort?
„Dass ich mit Leib und Seele im Leben und im Sterben, nicht mir, sondern meinem getreuen Heiland Jesus Christus eigen bin…“

Mein Katechismus sollte aber auch Glaubensstreit beenden. „Was ist das Abendmahl und wer darf dazu kommen?“ Wegen solcher Fragen hatten sich Leute geprügelt, auch hier in der Heiliggeistkirche! So leidenschaftlich hat man damals geglaubt!

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Predigt am Sonntag Reminiscere 2013 (24. Februar)

„Über Missverständnisse, die Welten trennen“

Predigt von Schauspieler, Sänger und Dipl.-Theol. Julian Sengelmann zum 450-jährigen Katechismus-Jubiläum

Joh 8,21-30

Liebe Gemeinde,

neulich hab ich einen sehr lustigen Film gesehen, der auf den interessanten Titel „Spanglish“ hört. „Spanglish“ ist ein Kunstwort, das sich aus Spanisch und Englisch zusammensetzt und der Film ist schön und lustig und ergreifend und vor allem... wahnsinnig verwirrend. Ich versuch Ihnen kurz zu beschreiben, worum es geht. Die Geschichte erzählt von zwei Familien, die nicht unterschiedlicher sein könnten: auf der einen Seite die Familie Clasky, bestehend aus einem sanftmütigen, hoch erfolgreichen und wohlhabenden Sternekoch, dessen größte Angst ist, dass die New York Times ihn zum besten Koch des Landes ausruft und er so keine Zeit mehr für seine Familie hat. Ein nobler Mann. Zu seiner Familie gehören auch seine Frau Deborah: eine völlig neurotische, sportbesessene und dem Geld sehr zugetane Person, die versucht es allen und sich selbst Recht zu machen und damit eine unerträgliche Nervensäge ist. Deborahs Mutter, also die Oma der Familie, eine ehemals bekannte Sängerin, die vergangenem Ruhm nachtrauert und definitiv viel zu viel trinkt und zu guter Letzt zwei liebenswerte, leider in der Schule furchtbar unbeliebte Kinder. Schon diese Konstellation ist ziemlich verwirrend!

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Predigt am Reformationstag (31. Oktober) 2012

Reformation 1517 – Reformation 2012

Predigt von Superintendent Hans Hentschel

Nun aber ist ohne Zutun des Gesetzes die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, offenbart, bezeugt durch das Gesetz und die Propheten. Ich rede aber von der Gerechtigkeit vor Gott, die da kommt durch den Glauben an Jesus Christus zu allen, die glauben. Denn es ist hier kein Unterschied: sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten, und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist.

Liebe Gemeinde,

Angst!
Das scheint mir ein wichtiges reformatorisches Stichwort zu sein obwohl an Tagen wie diesem der Mut protestantisch gefeiert wird. Der Mut zum Leben und zum Sterben. Der Mut zum Sein.
Angst ist ein Thema unserer Zeit und nicht nur - aber auch - vor dem Hintergrund des Reformationstages gesehen, ist sie zum Überwinden da. Das Menschenbild der Reformation ist das der couragiert für den Glauben und für die Welt eintretenden Frauen und Männer. Reformation steht für ein mutiges Weltbild.
Dabei ist weder Glaubens- noch Zivilcourage eine Frage der Konfession. Aber die Zeiten, zu denen das Reformationsfest ‚die feste Burg‘ des konfessionell unterscheidenden Glaubens besang, sind ohnehin Vergangenheit – hoffe ich jedenfalls!

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Predigt am 9. So nach Trinitatis 2012 (5. August)

Anfänge haben es in sich. Oder rückwärts in die Zukunft.

Predigt von Lehrvikarin Bettina Kommoss

Anfang!
Die Rucksäcke sind gepackt, der Proviant griffbereit verstaut, die Fahrkarten in der Tasche. Die Reise geht los. Die Stimmung ist gut. Ob Süden oder Norden, ob ans Meer oder in die Berge, Reisen ist schön. Aufbruch zu neuen Orten. In andere Sprachen. In die Fremde, die lockt.

Anfang?
... das wenige, das noch blieb - am Leib. Nur weg hier. Die Dunkelheit verbirgt ihn vor den Grenzern, die überall lauern können. Dann das Boot, das einen herausbringt, heraus aus der Heimat, die im Bürgerkrieg versinkt. Die Grenze erreicht er noch vor Morgengrauen. Heraus aus dem Elend, das schon Freunde das Leben kostete. Fürs Erste geschafft. Nur raus aus dem Land. Vielleicht, ist hier eine Arbeit zu finden, Zukunft, Hoffnung.

Anfang
Einen Anfang wagen, sagt sie, das schaffe sie nicht. Auf keinen Fall rede ich mit ihm, sagt meine Freundin. Sie und ihr Kollege raufen sich nur mit Mühe zusammen. Wäre es nicht besser, wenn du? Nein! Solltest du nicht vielleicht? Niemals. Ein vermasseltes Projekt im Job. Beide reden nur noch um den heißen Brei.

Anfänge. Gewollt und ungewollt. Anfänge, ersehnt und befürchtet.

Jeremia war jung, als er berufen wurde: „Und des HERRN Wort geschah zu mir.“

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Predigt am Karfreitag 2012

Predigt von Dekanin Dr. Marlene Schwöbel-Hug

Liebe Gemeinde,

mein ältester Sohn Martin ist ein junger Mann mit Down-Syndrom. Er geht sehr gern zur Kirche, er liebt die Musik und die festliche Atmosphäre der Gottesdienste, und ganz besonders andächtig ist er beim Abendmahl, das ihn ganz besonders berührt. Aber an Karfreitag streikt er. „Mama, das kann ich nicht, das ist mir zu traurig“. Jesus am Kreuz, das nimmt ihn richtig körperlich mit. Er kann es nicht verstehen, dass dieser Jesus, der doch ein guter Mann war, der der Sohn Gottes ist, so schmerzvoll am Kreuz hängen muss. Nein, Karfreitag ist für ihn kein Gottesdiensttag.

Sicher, Martin hat ein schlichtes Gemüt, und doch denke ich, dass er etwas spürt, was viele Menschen bewegt, spirituell und intellektuell.

Früher war in der evangelischen Kirche Karfreitag der höchste Feiertag. Ostern und Weihnachten nicht.

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Predigt im Morgengottesdienst am 21.03.2012 (Bachs Geburtstag)

Predigt von Pfarrer Dr. Martin-Christian Mautner

Hochgeehrter Herr Hofkompositeur,
geschätzter Herr Kantor und Director musices,
lieber Johann Sebastian,

zu Deinem heutigen 327. Geburtstag gratulieren wir Dir auf das Herzlichste und wünschen Dir alles erdenklich Gute und Gottes reichen Segen.

Es ist uns eine große Ehre Dir anlässlich Deines Wiegenfestes die Aufwartung machen zu dürfen – und damit wohl unter den ersten zu sein in Anbetracht der frühen Stunde.

Viele haben sich aufgemacht, um Deiner in einem Gottesdienst zu gedenken – aber eben nicht eigentlich Deiner, sondern Gottes, der uns geschaffen, erlöst und bis hierher geleitet hat.

Ich bin sicher: Das ist ganz in Deinem Sinne!

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Predigt am Sonntag Okuli 2012 (11. März)

Predigt von Pfarrerin Dr. Heike Springhart

Liebe Gemeinde,

11. März 2011, 23.09 Uhr: Hiroko, eine japanische Theologiestudentin, die bei uns im Theologischen Studienhaus wohnt, schreibt auf ihrer facebook-Pinnwand: Ich bin zufälligerweise nach Japan zurückgeflogen und habe das Erdbeben miterlebt. Glücklicherweise geht es mir und meiner Familie gut. Möge der liebe Gott gnädig sein und uns schützen.

Erst war es nur eine kurze Eilmeldung im Internet: Erdbeben in Japan! Kurz darauf sahen wir fassungslos die Bilder – in Sekundenschnelle um den Erdball gesendet.
Erst bebte die Erde und ließ Häuser wie Kartenhäuschen zusammenfallen.
Dann kam die Flutwelle, der Tsunami. Wassermassen, die in wenigen Minuten alles wegreißen, was Menschen über Jahre aufgebaut haben.
Wo Häuser bis an jenem Freitag vor einem Jahr Menschen ein Zuhause boten, ist jetzt öde Wüste. Öd und leer. Zerstört von der Wucht des Tsunamis. Ausradiert. Weggespült. Schon das: kaum zu fassen.
Und direkt nach der Flut auch das: Warten auf den GAU. Die Angst vor der Kernschmelze und Reaktorkatastrophen in den Atomkraftwerken ging um. Zur sichtbaren Zerstörung kam die unsichtbare Gefahr der Radioaktivität. 400fach erhöht.
Heute wissen wir: der GAU hatte sich sofort ereignet, die Atombehörden hatten es verschwiegen.
Fast 20 000 Menschen haben durch die Katastrophe, die sich heute vor einem Jahr ereignete, ihr Leben verloren, mehr als 3000 gelten als vermisst – eine unvorstellbare Zahl an Opfern.

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Predigt am Sonntag Invokavit 2012 (26. Februar)

Predigt von Pfarrerin Sigrid Zweygart-Pérez

Liebe Gemeinde,

„Hunger auf Verzicht – Fasten liegt wieder voll im Trend – Statt Fleisch liegt jetzt Fisch auf dem Teller“. Das war der Titel des Konstanzer Südkuriers am Aschermittwoch. „Wow“, habe ich gedacht, „das zeugt doch von einem schier unglaublichen Willen zum Verzicht.“ Dazu das Bild des völlig überfischten Speisefisches Scholle. So hatte doch der Aschermittwoch gleich seine amüsante Seite und ich nicht mehr ganz so ein schlechtes Gewissen, weil ich mir bis dato noch nicht wirklich ernsthafte Gedanken gemacht hatte, worauf ich eigentlich in dieser Fastenzeit verzichten möchte. Denn Fisch statt Fleisch, das ist für mich als Vegetarierin nicht wirklich die Herausforderung, nach der ich suche.

Sieben Wochen ohne Facebook! – das ist für den Einen und die Andere eine echte Herausforderung, die sie annehmen möchten. Weil sie spüren, dass da irgendetwas in Schieflage geraten ist. Und weil das ständige Kommunizieren im Netz eben auch seine zeitfressenden und bewegungsfeindlichen Seiten hat.

"Sieben Wochen ohne falschen Ehrgeiz" – das ist das offizielle Motto in diesem Jahr der EKD-Aktion „Sieben Wochen ohne“. Und ich fürchte, ich werde mindestens diese Sieben Wochen brauchen, um dahinter zu kommen, was falscher Ehrgeiz eigentlich ist. Wo ist mein tatsächlicher Ehrgeiz gefragt, meine ganze Leidenschaft und all mein Engagement? Und wo überschreite ich Grenzen, die mir selber zuliebe und der Sache wegen besser gewahrt blieben?
Das ist ja in der Tat immer wieder nicht so ganz einfach zu beurteilen.

Aber ist das tatsächlich eine Frage für die Fastenzeit?

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Predigt am Ostersonntag 2011

Predigt von Pfarrerin Sigrid Zweygart-Pérez

Aus Matthäus 28:
1 Als aber der Sabbat vorüber war und der erste Tag der Woche anbrach, kamen Maria von Magdala und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen.
2 Und siehe, es geschah ein großes Erdbeben. Denn der Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat hinzu und wälzte den Stein weg und setzte sich darauf.
3 Seine Gestalt war wie der Blitz und sein Gewand weiß wie der Schnee.
4 Die Wachen aber erschraken aus Furcht vor ihm und wurden, als wären sie tot.
5 Aber der Engel sprach zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, dass ihr Jesus, den Gekreuzigten, sucht.
6 Er ist nicht hier; er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt her und seht die Stätte, wo er gelegen hat;
7 und geht eilends hin und sagt seinen Jüngern, dass er auferstanden ist von den Toten. Und siehe, er wird vor euch hingehen nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen. Siehe, ich habe es euch gesagt.
8 Und sie gingen eilends weg vom Grab mit Furcht und großer Freude und liefen, um es seinen Jüngern zu verkündigen.
9 Und siehe, da begegnete ihnen Jesus und sprach: Seid gegrüßt! Und sie traten zu ihm und umfassten seine Füße und fielen vor ihm nieder.
10 Da sprach Jesus zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Geht hin und verkündigt es meinen Brüdern, dass sie nach Galiläa gehen: Dort werden sie mich sehen.

Liebe Gemeinde,

ich weiß nicht genau, wie viele Osterpredigten ich schon gehalten habe. 16 oder 17 sind es auf jeden Fall. Keinen Überblick darüber habe ich, wie oft ich schon die Ostergeschichte gelesen oder in der Schule erzählt habe.

Eines aber weiß ich ziemlich gewiss: ich habe einem Satz in der Ostererzählung, wie sie uns Matthäus überliefert, noch nie besondere Beachtung geschenkt. Das aber hat sich in diesem Jahr gewaltig geändert. Es ist der zweite Satz im 28. Kapitel: „Und siehe, es geschah ein großes Erdbeben.“

Wie kann man einen solchen Satz einfach so ignorieren, frage ich mich heute staunend?

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Predigt am Sonntag Reminiszere 2011 (20. März)

Predigt von Pfarrerin Sigrid Zweygart-Pérez

Predigttext (Matthäus 12,38-42):
Da fingen einige von den Schriftgelehrten und Pharisäern an und sprachen zu ihm: Meister, wir möchten gern ein Zeichen von dir sehen. Und er antwortete und sprach zu ihnen: Ein böses und abtrünniges Geschlecht fordet ein Zeichen, aber es wird ihm kein Zeichen gegeben werden, es sei denn das Zeichen des Propheten Jona. Denn wie Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches war, so wird der Menschensohn drei Tage und drei Nächte im Schoß der Erde sein.
Die Leute von Ninive werden auftreten beim Jüngsten Gericht mit diesem Geschlecht und werden es verdammen; denn sie taten Buße nach der Predigt des Jona. Und siehe, hier ist mehr als Jona. DIe Königin vom Süden wird auftreten beim Jüngsten Gericht mit diesem Geschlecht und wird es verdammen; denn sie kam vom Ende der Erde, um Salomos Weisheit zu hören: Und siehe, hier ist mehr als Salomo.

Liebe Gemeinde,

kürzlich hat eine Gottesdienstbesucherin geschrieben, dass sie es schön findet, wenn eine Predigt einen aktuellen Bezug zu unserer Lebenswirklichkeit herstellt.
Als ich am Anfang dieser Woche den Predigttext für den heutigen Sonntag gelesen habe, den wir gerade als Lesung gehört haben, da hat mich die Aktualität dieses Textes fast aus den Socken gehauen: „Wir möchten gerne ein Zeichen sehen!“

Na, habe ich mir gedacht, jetzt haben wir es aber, unser Zeichen!

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